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Kurzkritik:Fast zu schön

Enrico Dindos "I Solisti di Pavia" in der Allerheiligen Hofkirche

Dass sich das Kammerorchester "I Solisti di Pavia" nennt, ist vielleicht augenzwinkernd zu verstehen. Denn was die etwa 20 Musikerinnen und Musiker auszeichnet, ist das homogene, Klang ausbalancierende Spiel. Der Einzige, der in der Allerheiligen-Hofkirche tatsächlich als Solist in Erscheinung tritt, ist Enrico Dindo, der Gründer des Streicherensembles und Cellist. Und ein fähiger, wie seine zupackende Interpretation des a-Moll-Konzerts von Carl Philipp Emanuel Bach hören lässt. Mit offenem, energischen Ton reagiert Dindo auf die nicht weniger energischen Einwürfe des Orchesters im Kopfsatz. Gemeinsam erkunden sie die Finessen der Empfindsamkeit, in vertrackten Spielfiguren, expressivem Gesang und blitzschnell wechselnder Dynamik.

Das Motto des Hamburger Bachs, demgemäß es darauf ankommt, aus der Seele zu spielen (und nicht wie ein abgerichteter Vogel), verwirklichen die italienischen Musiker auch in den drei Streichersätzen Giuseppe Martuccis. Mit schimmerndem Ton schwelgt das Ensemble in spätromantischen Harmonien - fast zu schön. Diese Feier des Wohlklangs findet ihre Fortsetzung in den "Antiche danze ed arie" von Ottorino Respighi. Der Martucci-Schüler warf den alten Melodien mithilfe des modernen Instrumentariums ein neues Gewand um. Hier zeigt sich die Wandlungsfähigkeit des Orchesters: Wo Dindo das Ensemble vorher noch mit fließenden Bewegungen Akkordflächen schaffen ließ, erweckt er nun mit schlankem Klang barocke Tänze zu neuem Leben, mal ernst, mal beschwingt, immer elegant.

Für wenige Momente wird diese Eleganz suspendiert zugunsten eines robusteren Tons, der dem scharf akzentuierten Beginn von Béla Bartóks "Divertimento" seinen Charakter verleiht. Die volksliedhafte Ausgelassenheit des ersten Satzes weicht dem stetigen Anwachsen aus tonlosem Dunkel des zweiten. Das Finale ein tänzerisch bunter Kehraus. Doch noch will man die "Solisti" nicht gehen lassen. Ein süßes Piazzolla-Ave-Maria und zwei Bach-Solostücke schenkt Enrico Dondi seinem erfreuten Publikum.