Kurzkritik Erfrischend frech

Gesangsstudenten beim Liedforum der Musikhochschule

Von Klaus Kalchschmid

Wie jedes Jahr sind die drei Konzerte des Liedforums mit Studentinnen und Studenten der unterschiedlichsten Klassen im Großen Saal der Musikhochschule den Jubilaren des Jahres gewidmet. Nach Shakespeare-Vertonungen so verschiedener Komponisten wie Richard Strauss, Roger Quilter, Dominick Argento und Erich Wolfgang Korngold am ersten Abend, stand am zweiten und dritten Abend Friedrich Rückert im Zentrum mit Vertonungen von Schubert, Schumann, Hindemith und Reger. Und neben den berühmten Mahler-Liedern konnte man auch Unbekanntes wie das durchaus resignativ die Lebensmitte beschwörende "Mit vierzig Jahren" von Johannes Brahms hören und "Vom künftigen Alter" von Richard Strauss. Hier weiß sich das lyrische Ich noch in Saft und Kraft: "Ich habe Wein und Rosen in jedem Lied, und habe solcher Lieder noch tausendfach." Wenn beide Gesänge ein Mittzwanziger anstimmt, dessen Bass schon profunde Tiefe erreicht hat, aber sicher noch reifen wird, bietet das den schönsten Kontrast.

Zuvor gab Bariton Manuel Adt vier Rückert-Lieder von Bernhard Sekles ausdrucksvoll zum Besten, von Kangun Kim am Flügel vor allem in den mächtigen Nachspielen klanggewaltig begleitet. Auch Bariton Bavo Orroi widmete sich den "Deux Sonnets de Jean Cassou" von Henri Dutilleux, der heuer seinen 100. Geburtstag feiern würde, mit farbenreicher Raffinesse, von Ryuzo Seko großartig plastisch mitgestaltet. Drei Goethe-Lieder von Ferruccio Busoni erfuhren durch Matthias Bein eine solide Interpretation, die noch mehr charakteristischen Witz vertragen hätte. Unter den drei Damen stachen Josephine Renelt, die "Acht Lieder op. 43" von Max Reger ausgewählt hatte und sie ebenso wortverständlich wie mit sprechendem Ausdruck sang, und die Mezzosopranistin Flore Van Meersche hervor. Sie vermochte zusammen mit Katrin Klein am Flügel die sechs herrlich luftigen Miniaturen von Erik Satie unter dem Titel "Ludions" erfrischend frech zu artikulieren.