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Kurzkritik:Enorm eindringlich

Daniel Behle und die Kammeroper München

Der Tenor Daniel Behle gehört zu den vielseitigsten und neugierigsten Sängern der Gegenwart, so legte er beispielsweise Franz Schuberts "Winterreise" auf CD in einem eigenen Arrangement für Klaviertrio vor. Da erstaunt es wenig, dass er immer wieder mit der Kammeroper München zusammenfindet, deren Arrangeur Alexander Krampe ungewöhnliche Instrumentationen zu einer eigenen Kunstform entwickelt hat. Welche unterschiedlichen farblichen und stilistischen Möglichkeiten darin stecken, konnte man im Bibliothekssaal des Klosters Polling hören, wo Behle mit dem Orchester der Kammeroper Schuberts "Schwanengesang" und Robert Schumanns "Dichterliebe" sang.

Für die "Dichterliebe" wählt Krampe einen dichten Satz, der zumal im ersten und letzten Lied in seiner Streicherseligkeit fast schon an Richard Strauss erinnert. Im "Schwanengesang" dagegen bricht er die Besetzung häufig auf, um Stimmungsumschwünge auch innerhalb der Lieder zu verdeutlichen. Intensiv wird so die Vielfalt der Atmosphären erfahrbar, die in den sehr unterschiedlichen (weil erst aus Schuberts Nachlass zum Zyklus kompilierten) Liedern stecken, wobei einzelne für Behles hellen Tenor freilich etwas zu tief liegen.

Dass elf Musiker, darunter ein oft einen Schuss Melancholie beisteuerndes Akkordeon, durchschnittlich klangstärker sind als der originale Klavierpart, ist dagegen kein Problem für den Tenor Behle. Aufgrund seiner Erfahrungen als Opernsänger verfügt er über genug dramatischen Aplomb. Aus dem Liedgesang bringt er dagegen zum einen eine hohe Verständlichkeit und rhetorische Durchdringung der Texte ein, zum anderen feinere, makellos aus Brust- und Kopfstimme gemischte Farben in Übergang und Höhe. Im Kontrast zwischen beiden Welten gerät gerade die "Dichterliebe" emotional enorm eindringlich: Den wild wütenden Attacken eines verzweifelt Verliebten stellt Behle immer wieder Pianolinien gegenüber, in denen sich Sehnsucht wie traumverloren ausspinnt.