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Kurzkritik:Edle Nervosität

Vilde Frang debütiert beim Staatsorchester mit Korngold

Zart, zugleich bebend erregt begann Vilde Frang Erich Wolfgang Korngolds Violinkonzert mit jenem Thema, das der Komponist aus seiner Musik zum Melodram "Another Dawn" mit Kay Francis und Errol Flynn übernahm. Doch für das Konzert, das er Alma Mahler-Werfel widmete, verwandelte Korngold dieses heroische Auftaktthema für einen Abenteuerliebesfilm in eine unwiderstehliche Melodielinie, auf der die Violine in höchste Höhen schweben kann.

Vilde Frang, eine der jungen Geigenköniginnen unserer Zeit, erfüllt diese manchmal rauschhaft aufglänzende oder auch virtuos-filigrane Musik mit der ihr eigenen kreativen Nervosität. Gebannt folgte man ihr in die trügerische Süße der Romance, wo sie immer neue Farbnuancen gerade in den Höchstlagen des "ewigen Schnees" fand. Mitreißend, wie sie dann die vielfältig gestaffelten Geläufigkeits- und Springbogenkaskaden des Finales mit gewissermaßen fliegenden Hitzen zum Sprühen brachte. Der Dirigent Thomas Søndergård beschützte Vilde Frang vor allzu wuchtigem Orchestertoben. Manches bei der Realisierung dieser komplexen Partitur wackelte ein wenig im Zusammenspiel von Solo und Orchester. Das hätte wohl mehr Proben erfordert. Doch Frangs nervöse Emphase überwand alles. Dem brausenden Beifall dankte sie mit einer Soloversion von Joseph Haydns "Kaiserhymne".

Vor Korngold hatte Søndergård die Three-piece-Suite von Thomas Adés dirigiert, drei pfiffig-raffinierte Tanzstücke, in denen Tango-, Habanera- und andere Gesten aufscheinen. Es ist eine Musik der Dekonstruktion durch Überwuchern oder Aussparen. Der ersten Symphonie von Jean Sibelius wurde bald nachgesagt, sie sei tschaikowskyiansch. Doch das Wehmütig-Melancholische dieser Musik drückt sich besonders in den unverwechselbar dunklen Klangfarbflächen aus, wie sie nur Sibelius kennt. Dirigent und Orchester gelang eine von Wärme und Hingabe bestimmte, klanglich reiche und differenzierte Aufführung.