Die Künste frönen dem Schein. So sah das zumindest Platon - und nach Joyce DiDonatos Auftritt am Sonntagabend im Münchner Gasteig müsste man Platon wohl widerwillig zustimmen. Widerwillig deshalb, weil DiDonatos Koloraturen so hüpfend, ihre Gesangsbögen so ergreifend und ihre Stimmendramatik in einem Moment so schmerzerfüllt und im nächsten so freudestrahlend war. Die meisterliche Darbietung barocker Arien von Händel und Purcell war geboten. Und doch konnte der perfektionierte Gesang der US-amerikanischen Mezzosopranistin nicht über die misslungene Gesamtinszenierung des Abends hinwegtrösten. Der falsche Pomp steckte in jeder Falte des silbrig glänzenden Polyesters, aus dem DiDonatos Kostüm gemacht war. Der Schein, die Künstlichkeit des Drumherum, überschattete die Kunstfertigkeit.
Große Worte titeln das halbszenische Konzert, "In War and Peace", in Krieg und Frieden. Auf Bildschirmen im Foyer breitet sie im Abendkleid barfüßig und in Zeitlupe vorm Sonnenuntergang ihre Arme aus, auf personalisierten Karten - "A message for you, from Joyce" - fragt sie die Zuschauer, wie sie im Chaos zum Frieden finden. Die Rosenblätter, die aufs Haupt des Jungdirigenten Maxim Emelyanychev herabfallen, schreien die Botschaft unmissverständlich heraus: Friede, Freude, Eierkuchen. Auch in schwierigen Zeiten - wobei das für DiDonato die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA ist, wie sie selbst herausstellt, als sie das Mikro ergreift.
Dabei dürfte einiges Unglück, wie das der Storgè aus Händels "Jephta" - namentlich die Opferung der eigenen Tochter durch die Hand des Ehemannes - unbemerkt geblieben sein. Zwar erklingt es in DiDonatos majestätischem Gesang, der sich hervorragend mit dem Barockensemble Il pomo d'oro paart. Doch das Bild, das ihre Stimme entstehen lässt, wird sofort übermalt von den peinlichen Gebärden eines willkürlich gesetzten Tänzers und von der karnevalesken Schminke der Sängerin. Statt auf die Erhabenheit der Musik zu vertrauen, setzt DiDonato ihre Karten leider auf den Schein.