bedeckt München 23°
vgwortpixel

Kurzkritik:Bluesroutine

Joe Bonamassa in der Olympiahalle

Konzert 49 der aktuellen Europatournee. Eine Halle, die eigentlich nicht für Musikereignisse gebaut wurde und entsprechend klingt. Die bestuhlte Arena, gut besetzt, auf den Rängen hingegen deutlich freie Flecken. Ein Routine-Job für jemanden wie Joe Bonamassa. Er ist es seit Kindertagen gewohnt, auf der Bühne zu stehen, die Gitarre in der Hand, und er macht auch jetzt nach den Regeln der Kunst eine gute Figur. Seine Fenders und Gibsons singen, die Läufe perlen geschmeidig vom Griffbrett, soweit man das dem Rockmulm der Olympiahalle entnehmen kann.

Es sind neue Stücke dabei, "Evil Mama" zum Beispiel oder auch "King Bee Shakedown", die, für einen Bluesrocker erstaunlich, live braver klingen als in der Albumversion. Ein paar sind schon etwas älter wie "Tiger In Your Tank" oder "Blues Of Desperation", wirklich anders als die übrigen Songs klingen sie nicht. Überhaupt ist das der Haken an Bonamassas Entertainment. Er ist ein ausgezeichneter Musiker, aber er ist weder Rory noch Jimmy noch Ritchie, auch wenn er es gerne wäre. Besonders auffällig wird das beispielsweise, wenn er "I Can't Quite You Babe" mit "Tea For One" einleitet, dem langsamsten Blues, den Led Zeppelin jemals aufgenommen haben und wahrscheinlich auch einer der in seiner sich aufbäumenden Molltraurigkeit lässigsten der Rockgeschichte. Das war 1976 großes Kino, ein Jahr vor Bonamassas Geburt, und es zeigt, ähnlich wie das von seinem Keyboarder Reese Wynans zitierte Intro von "Locomotive Breath", dass der Gitarrenheld sich eigentlich in der Zeit verankert, in der die von ihm verehrte Musik erfunden oder grundlegend geprägt wurde.

Und so lässt er sich selbst und seinen sieben Begleitern kaum Raum für Experimente. Harmonisch am weitesten führte die Solo-Zugabe "Woke Up Dreaming" aus dem System, eine hektische Akrobatiknummer mit der Zwölfsaitigen. Der Rest bleibt einförmig perfekter Bluesrock ohne die Freiheit der Überraschung. Show 49 der Tournee, eine vor dem Ende und dem Weg nach Hause.