Kurzkritik Bizet auf Kuba

Das Musical "Carmen la Cubana" im Deutschen Theater

Von Egbert Tholl

Das "la" ist wichtig! Es geht hier um "Carmen la Cubana" im Deutschen Theater, nicht um eine im Titel ähnliche Version ohne "la". Dieses Ding hier hatte seine Uraufführung im vergangenen Jahr in Paris, ist offenbar eine irgendwie kubanische Produktion - und sehr erstaunlich. Ja, es ist Musical, Show, Mambo, Salsa, Caracho und Caramba. Aber es ist fast zu jedem Moment direkt abgeleitet von Bizets Oper, alle maßgeblichen Motive tauchen auf, aber klingen halt meist ein bisserl anders. Eher wie Bizet auf Kuba, gespielt vom Buena Vista Social Club in einem Kasino zu Batistas Zeiten. Mit Bums. Batista ist als Idee wichtig, als Pro-US-Diktator auf Kuba, den Castro wegräumte. Die Revolution spielt als Aroma herein, die Kulisse ist pittoresk, ein letzter Blow-Job von einem Transvestiten, bevor die Kommunisten kommen. Wichtiger ist die fabelhafte Carmen Luna Manzanares Nardo, selbstbewusstes Biest, mit einer Stimme, die Erotik über drei Oktaven dehnt. Der weibliche Chor singt fabelhaft, tanzen können sie alle perfekt, alle Männer sind Hanswursten, die Musiker aber fabelhaft. Geredet wird zu viel, die Hispanos im Publikum lachen sich schlapp. Das Ende ist verhunzt, sei's drum: gute Show!