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Kurzkritik:Betörend schön

Der Pianist Alexander Gadjiev im Herkulessaal

Der Pianist Alexander Gadjiev wirkt reifer als die 24 Jahre, die er zählt. Ruhig schreitet er im Herkulessaal auf den Flügel zu und beginnt sein Konzert bei "Klassik vor Acht" nach ausgiebigen Momenten der Sammlung. Und reif ist auch sein Programm, denn die Reihung von Alban Bergs Klaviersonate, Wagners Liebestod in der Liszt-Klavierbearbeitung, César Francks Prélude, Choral et Fugue, Tschaikowskys Thema und Variationen in F-Dur op. 19/6 und Prokofjews Klaviersonate op. 82 ist eine Musikfolge ohne klangliches Leichtgewicht und verlangt von allen im Saal Konzentration.

Was die Hauptcharakteristika von Gadjievs Interpretationen sind, wird von Beginn der Berg-Sonate an deutlich. Es gibt hier durchaus Passagen, in denen man das Klavier opulent erblühen lassen kann - und Gadjiev lässt diese Möglichkeit auch nicht ungenutzt. Vor allem aber beleuchtet er die nachdenklichen, die stillen Momente. Das klingt wunderbar und erzeugt große Transparenz. Wahrscheinlich ist die sogar Gadjievs Kernbotschaft; beim Liszt-Wagner'schen Liebestod will es einem so erscheinen: Man könnte hier mitunter inbrünstig herumwühlen; vom Virtuosenstandpunkt aus wäre das effektvoll. Gadjiev entscheidet anders. Die Gefühlswogen bleiben nicht aus, doch in den Vordergrund stellt er das Zarte dieser Musik und erzielt einen Klavierklang, in dem die feinsinnigen Farben des Orchesters nach wie vor erfahrbar sind. Das ist betörend schön.

Natürlich bedeutet das nicht, Gadjiev habe Scheu vor monumentalem Klavierspiel - vor allem der Franck-Choral beweist es. Auch die Tschaikowsky-Variationen bringen nach charmantem Beginn in ihrem Verlauf pianistisch Wuchtiges mit sich. Dann fährt die Prokofjew-Sonate drein - obwohl sich Gadjiev davor sogar zum Zwischenapplaus erhebt, wirkt der Anfang wie attacca gespielt - und bringt noch die Erkenntnis mit sich, wie gut, präzise, mürbe im Ton und hochvirtuos Gadjiev auch solch rhythmisch dominierte Musik zu spielen versteht.