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Kurzkritik:Bestechend klar

Antje Weithaas und Silke Avenhaus in Traunstein

Antje Weithaas bot mit der Pianistin Silke Avenhaus an diesem Violinabend im Großen Sitzungssaal des Landratsamtes eine Demonstration an klanglicher Klarheit, Deutlichkeit der Strukturierung, präziser Intonation und Darstellung stilistischer Vielfalt. Das begann mit dem ersten Ton von Felix Mendelssohn Bartholdys F-Dur-Sonate, die die Künstlerinnen so feurig und rhythmisch federnd darboten, ohne in falsche Eile zu fallen oder alles vermeintlichem Dauerschwung zu opfern, dass jeder im Saal hellwach folgte.

Das Adagio erklang in weitgespanntem Bogen mit eindringlicher Noblesse, denn Mendelssohn verlangt zwar heißes Engagement, aber sein Melos ist frei von Sentimentalität, auch wenn manche meinen, es gäbe so etwas wie einen Romantikpassepartout, bei dem es darum geht, aufdringlich zu vibrieren und einen Gefühlsrutscher nach dem anderen zu produzieren. Bei Weithaas und Avenhaus wurde bewusst, wie sehr Mendelssohns hinreißende Musik klassisch orientiert und genau ausformuliert sein will.

Es folgte das brausend mit großer Geste ausagierte Scherzo von Johannes Brahms, das er als 3. Satz der Gemeinschaftssonate für den Geiger und Freund Joseph Joachim schrieb, an der noch Robert Schumann und Albert Dietrich beteiligt waren. Danach zeigte Weithaas bei Eugène Ysaÿes 5. Solosonate nicht nur fabelhafte Virtuosität, sondern welche Farbenvielfalt, dynamischen Steigerungsmöglichkeiten und welche unerhörten Klangnuancen Ysaÿe in der Violine entdeckte. Das entwickelte sie imponierend. Zum Schluss Maurice Ravels Sonate mit dem Blues als Mittelsatz, von Weithaas und Avenhaus radikal in Rhythmus und idiomatischem Klang ausgereizt. Die Gefahr steckt im Missverständnis, Ravel habe hier einen Blues komponiert, vielmehr ist es der kunstvoll durchkonstruierte Typus eines Blues. Nach dem herrlich dahinschießenden Perpetuum-mobile-Allegro tosender Beifall, als Dank zwei Sätze aus Antonin Dvořáks melodiereicher Sonatine - toll!