bedeckt München
vgwortpixel

Kurzkritik:Beschwörend schön

Guy Garvey mit seiner Band "Elbow" in der Tonhalle

Wunderschön. "Beautiful". Das ist ohne Zweifel eines der absoluten Lieblingswörter von Guy Garvey. Beim Konzert seiner Band Elbow in der gut gefüllten Tonhalle sagt es der bärtige Sänger im karierten Hemd jedenfalls immer wieder. Bevorzugt, um die Leistung seines Chors zu loben, zu dem er das Publikum während des fast zweistündigen Auftritts immer wieder umfunktioniert. Später, bei der zweiten und letzten Zugabe "One Day Like This" wird er den Chorgesang auch noch mit "amazing", "extraordinary" und "oh my God" preisen. Aber das letzte Wort, das lautet doch dann wieder: "Beautiful".

Dazwischen sagt Guy Garvey aber auch noch andere Dinge, spricht von aktuell dunklen Zeiten, von denen das neue Album "Giants Of All Sizes" der fünfköpfigen Band aus Manchester handelt. Gemeint ist damit etwa der ganze "Brexit-Schwachsinn", oder dass sein Vater und zwei gute Freunde im vergangenen Jahr gestorben sind. Von da an nimmt man das Wort "beautiful" auch noch ganz anders wahr, nämlich als Beschwörungsformel oder Rettungsanker, wie man ihn in solchen Zeiten braucht. Und gut möglich, dass die melancholischen und schwelgerischen Lieder von Elbow, die seit dem 2008 erhaltenen Mercury-Preis als Aushängeschild der britischen Rockszene gelten, genau so auch auf viele Fans wirken.

Eine erkennbare und leicht grenzwertige Neigung zum Pathos haben die Briten dabei mit Insel-Kollegen wie U2 oder Coldplay gemeinsam, federn diese aber mal durch leichte Progrock-Momente wie im Eröffnungssong "Dexter & Sinister" ab, mal durch harte Gitarrenriffs wie in "The Bones Of You". Oder durch eine kleine A-cappella-Improvisation von Guy Garvey zum Thema verpackte Kartoffeln und Nasa-Essen, weil er erfahren hat, dass die Tonhalle früher zu einer Kartoffelfabrikgehörte. Auch die umjubelte Zugabe "Grounds For Divorce" sorgt mit ihrem Modern Blues für Abwechslung, in einem, das Lob darf man zurückgeben, tatsächlich sehr schönen Konzert.