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Kurzkritik:Berührend

Chansonnier Karsten Troyke im Jüdischen Museum

Für all die Liebe, die nicht stattfinden konnte, hatte Leonard Cohen einst den Song "Dance Me To The End Of Love" in Gedenken an die im Holocaust ermordeten Menschen geschrieben. So erläutert es der Ost-Berliner Chansonnier Karsten Troyke im Jüdischen Museum, wo er neben klassischeren Klezmer-Songs, darunter die von Ben Zion Wittler oder Itzik Manger, auch den Cohen-Song ins Jiddische überträgt. Dabei berührt sein Vortrag so tief, dass einige Zuschauer sogar weinen. Doch letztlich gelingt es Troyke auch in diesem Song, der Traurigkeit, die seiner sehnsüchtigen Musik innewohnt, ein Lächeln abzugewinnen. Mit der urkomischen Telefonbuchpolka von Georg Kreisler oder einem Sowjetski-Rock'n'Roll über die West-Schuhe, die die kanadische Oma ihrem Enkel in die Sowjetunion schickte, weiten Troyke und seine Mitstreiter das Lächeln sogar zu einem herzhaften Lachen aus.

Insofern die von Troyke belebte jiddische Sprache stets von der Sprache der neuen Zufluchtsländer beeinflusst wurde, ist diese Sprache der häufig heimatvertriebenen Juden letztlich genauso international wie die Musik, die an diesem Sonntagabend auf Einladung der liberalen jüdischen Gemeinde Beth Shalom im jüdischen Museum zelebriert wird. Begleitet wird der Sänger dabei vom ukrainischen Trio Scho auf Akkordeon, Kontrabass und Geige, sowie vom Klarinettisten Jan Hermerschmidt, der durch sein Instrument ebenso fröhlich juchzen wie traurig schluchzen kann.

Bereits im ersten Lied des Abends, "Surele", das Troyke vor mehr als 20 Jahren von der Holocaust-Überlebenden Sara Bialas-Tenenberg als ein jiddisches vergessenes Lied gelehrt bekam, weint die Klarinette zusammen mit den darin besungenen Kindern, die sich auf der Suche nach ihrer Mama im Wald verirren. Unzufrieden mit dem Ende habe Troyke seine Lehrerin gefragt: "Und weiter? Jetzt sitzen die Kinder allein im Wald und weinen?" Doch Sara Bialas-Tenenberg habe nur geantwortet: "Aber so ist es gewesen."