Kurzkritik Arg monoton

Gilbert O'Sullivan in der Freiheizhalle

Von Dirk Wagner

In Australien habe man das Publikum wieder einfangen müssen, weil es eine auch in der Münchner Freiheizhalle anberaumte Pause zwischen zwei Sets schon für das Konzertende hielt, erzählt der 72-jährige irische Singer-Songwriter Gilbert O'Sullivan. Dass das australische Publikum nach dieser Darstellung gar keine Zugabe eingefordert hatte, thematisiert der wuschelköpfige Sänger nicht, der im Wesentlichen noch immer von seinen Hits aus den Siebzigerjahren zehrt: "Get Down", "Matrimony" oder "Alone Again (Naturally)" zum Beispiel. Wobei er sich genau diese drei Songs für das Hitfeuerwerk zum Ende seiner Show aufgehoben hat.

Nach dem Missverständnis in Australien scheint O'Sullivan, der sich nach den Operettenkomponisten Gilbert & Sullivan benannt hat, jedenfalls vorsichtiger mit Konzertunterbrechungen umzugehen. Zumal seine immer gleiche Spielart am Klavier bald schon das Fehlen einer Band vermissen lässt, die den Songs etwas mehr Abwechslung hätte bieten können. Die Monotonie kann nämlich auch der großartige Gitarrist Bill Shanley nicht verhindern, der mit seinem wirklich herausragenden Saitenspiel als alleiniger Begleitmusiker gegen das repetitive Geklimpere von Gilbert O'Sullivan ankämpft. Der hingegen verstärkt die Monotonie seiner Darbietung auch noch mit immer gleichen Ansagen, in denen er wiederholt betont, wie glücklich das Publikum doch sei, dass der Künstler zu geizig war, eine Band zu bezahlen. So könne es die Songs nämlich in einem intimeren Rahmen genießen. Mit seinem Klavierspiel tut O'Sullivan dennoch beharrlich so, als müsse er es in ein lautes Bandgefüge einbetten.

Dazu mutet er seinem Publikum künstliche Schlagzeug-Imitate zu, die schon der Prototyp einer Heimorgel hätte überbieten können. Und auch das ist noch nichts gegen das Gesäusel, das wie japanische Flöten klingen sollte, aber eigentlich auf jede beliebige Panflöten-Kompilation passen würde. Da versteht man sehr wohl das angebliche Missverständnis der Australier.