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Kurzkritik:Anti-Hass-Predigerin

Bombastisch: Angelique Kidjo bei den Afrika-Tagen

"Wird es gleich wieder regnen? Ich weiß es nicht. Ist es Frühlingswetter? Nein. Ist das der Klimawandel? Ja." Auch bei den seit Jahren vom Regen bedrängten Afrikatagen auf der Theresienhöhe stellt die als Höhe- und Schlusspunkt auftretende Angelique Kidjo schnell klar, dass sie weit mehr ist als nur eine Sängerin. Die Unicef-, Oxfam- und Amnesty-International-Botschafterin ist eine begnadete Anti-Hass-Predigerin und hält auch hier flammende Reden für den Einsatz jedes Einzelnen zugunsten von Liebe, Toleranz und Frieden oder für die Würde der im Klischee stets im Elend verorteten afrikanischen Frauen.

Ihr Engagement hat besondere Wucht, weil Kidjo auch sonst eine gewiefte Entertainerin ist, die sich auch noch mit 56 schon beim Zuschauen schweißtreibende Tanzeinlagen gönnt und ihre Band ebenso wie das Publikum - selbst noch die 20 Euphorisierten, die zum Schluss auf die Bühne durften - perfekt im Griff hat. Das Publikum auf der Theresienwiese war ohnehin schon nach den ersten zwei, drei Songs wehrlos, weil Kidjos nach wie vor dramatisch klare, kraftvolle und strahlende Stimme jeden Zweifel sofort beseitigt. Musikalisch hielt sich die weltgewandte und in allen Stilen beschlagene Kidjo hier dem Anlass entsprechend vor allem ans Afrikanische. Kein "Petite Fleur", keine jazzigen Songs auf Französisch oder Englisch also, sondern die Hits auf Fon, Yoruba oder Swahili, vom hymnischen "Malaika" bis zur powerrockigen Afrobeat-Orgie "Orisha", von der obligatorischen "Mama Africa", zu der sie ja seit dem Tod der von ihr verehrten Miriam Makeba selbst geworden ist, bis zu eben Makebas Welthit "Pata Pata", den Kidjo sonst eher selten bringt.

Wieder einmal brachte Kidjo pure Lebenslust und tiefe Nachdenklichkeit, rhythmische Ekstase und melodische Empfindsamkeit beispielhaft zusammen. Da machte sogar der Regen samt Klimawandel zwei Stunden Pause.