Kurzkritik Alter!

Luke Mockridge macht in der Olympiahalle Faxen für alle

Von Thomas Becker

Heute mal völlig unvorbereitet zur Arbeit, zu Luke Mockridge in die Olympiahalle. Luke wer? 12 000 Fans kennen den besser, aber wer nie "Luke! Die Woche und ich" oder "Luke! Die Schule und ich!" (Sat 1) gesehen hat, weder "Occupy School" (Kika) noch die "1Live Comedynacht XXL" kennt und es auch bei "TV total", "NightWash", "Quatsch Comedy Club" und dem "RTL Comedy Grand Prix" nicht lang aushält, der geht an "Welcome To Luckyland" schön unvoreingenommen ran - und kommt gleich mal zu spät. Statt um acht geht der Spaß schon um sieben los. Der Großteil des Publikums muss am nächsten Morgen zur Schule, manche gar zur Grundschule. Da gehört man als Ü 50er eher nicht so zur Zielgruppe.

Die hat der Medien- und KW-Bachelor Mockridge weit gefasst: alle jenseits des Kindergartens, auch die Gruftie-Eltern, über die ausgiebig abgepestet wird - der 30-Jährige holt sie alle ab. Wenn Mario Barth "Kennste, kennste??!" hechelt, klingt das bei Mockridge so: "Guckt ihr auch Netflix?" - "Schon mal ein Passwort vergessen?" - "Kennt ihr das, wenn die Mädels Los Wochos haben?" Die Themen: WhatsApp-Gruppen, Elternsprüche, Schul-Englisch, Tinder und immer wieder: saufen. "Cordula Grün? Hab' ich noch nie nüchtern gesungen!" Flott werden ein paar "Not-Kurze" geleert: "Bunte Schnäpse - kannste hinterher 'nen Regenbogen kotzen." Es bleibt nicht der einzige Flachwitz.

Was ist das für ein Typ? Die Eltern-Generation würde sagen: Faxenmacher, Quatschkopp, Spielkind, bisserl überdreht, aber harmlos. Ein Smartie, der am Kunstlagerfeuer Schmusesongs schmachtet und die Halle "Hey Jude", U2 und Malle-Hits grölen lässt. Er ist aber auch: Vollprofi. Verharrt auf den hochhaushohen Bildschirmen neben der Bühne genau so lange, bis jeder sein Insta-Foto hat. In der Pause Merchandising: Shirts, Hoodies, Socken, Tassen, Federmäppchen. Und zum Schluss noch eine Message: "Gib jedem Augenblick die Chance, der beste deines Lebens zu werden." Alter!