Kurzkritik Alles auf Anfang

Reggae-Band "UB40" besinnt sich auf Debut-Album

Von DIRK WAGNER

Das Cover zu ihrem Erstlingswerk "Signing Off" von 1980 zeigt das britische Antragsformular zur Arbeitslosenunterstützung, nach welchem sich die englische Reggae-Band UB40 benannt hatte. Ein sehr politisches Album übrigens, in dessen karibischen Wohlfühlklängen verbale Attacken gegen den damaligen Thatcherismus lauern. Ohne Major-Vertrag gelangte es damals auf Platz zwei der britischen Charts und stand damit auch für eine erstarkende Indie-Szene, die so gar nichts mit den späteren UB40-Hits wie "Red Red Wine", "Kingston Town" oder "Cherry Oh Baby" gemein hatte.

Wenn UB40 darum siebenunddreißig Jahre später das komplette Debüt-Album in der Muffathalle live reproduziert, klammert das mit Ausnahme der ersten Single "Food For Thought" zunächst einmal sämtliche Hits aus, die die Fans auf einem UB40-Konzert erwarten. Entsprechend zurückhaltend fällt darum der Applaus aus. Die meisten Zuschauer warten wohl auf das Hit-Paket, das den Abend abrundet.

Abgesehen von "I Can't Help Falling in Love With You", das von Elvis Presley über Willie Nelson bis hin zur niederländischen Rockikone Herman Brood schon deutlich besser interpretiert wurde, klingen jene Hits live dann auch gar nicht so sehr nach dem Ausverkauf einer Reggae-Kultur, der von UB40-Fans der ersten Stunde gerne unterstellt wird. Von den Fans also, die sich auch diesen Abend einmal mehr von der Masse abheben können, indem sie im ersten Teil der Show die wunderbar lässigen Bläser in "Strange Fruit" goutieren, den markanten Sound der Gitarre in "Food For Thought" sowie überhaupt das Rhythmusspiel zwischen Drummer und Perkussionisten. Den Dub-Anteil hätte man sich dabei etwas kräftiger gewünscht, so wie die Band sich überhaupt ein wenig mehr von der Album-Version der gespielten Songs zugunsten einer spannenderen Live-Umsetzung hätte lösen können. So bleibt immerhin die Rückbesinnung auf ein Album, das die Band so innovativ wie später nie wieder zeigt.