Kurt Russell wird siebzig:Happy Birthday, Klapperschlange

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Kurt Russell als "Die Klapperschlange" in einem dystopisch verrotteten New York, inszeniert von John Carpenter.

(Foto: imago/United Archives)

Auch Kurt Russell, der große stoische Einzelkämpfer des amerikanischen Kinos, gehört jetzt in die Riege der Jubilare. Ein Gruß zum 70. Geburtstag.

Von Fritz Göttler

Ein schwarzer Fleck dominiert das Bild, das man von Kurt Russell hat. Und an das man sich zu seinem siebzigsten Geburtstag gern erinnert. Es ist die Klappe, die er über dem linken Auge trägt, in John Carpenters "Escape from New York", 1981, der bei uns "Die Klapperschlange" heißt. Kurt Russell ist Snake Plissken, der einsame Söldner, der den US-Präsidenten retten soll, der über Manhattan abgestürzt ist. Manhattan, das längst verrottet und zugemüllt ist und deshalb als Hochsicherheitsgefängnis benutzt wird, abgeschottet vom Rest Amerikas.

Zur Augenklappe kommen eine abgewetzte Fliegerjacke, schwarze Stiefel, kräftige Oberarmmuskeln, zotteliges Haar. Und lange Blicke, bei denen Russell sich anstrengt, richtig mies und heimtückisch zu wirken ... ein klassischer Underdog, ein Einzelkämpfer. Mit dem Film sind Russell und Carpenter Legenden des Actionkinos geworden.

In zwei Filmen haben sie diese stoische Einzelkämpferfigur weiterentwickelt, 1982 in "The Thing/Das Ding aus einer anderen Welt", berühmt wegen der gruseligen Spezialeffekte, dem Kopf mit den Spinnenbeinen, und 1986 in "Big Trouble in Little China", der wegen rassistischer Stereotype wenig geliebt wurde und ein fürchterlicher Flop war. Auch die Fortsetzung, die sie 1996 drehten, "Escape from L. A.", kam nicht mehr an den alten Film heran.

Einem Fan ging "Die Klapperschlange" nicht aus dem Kopf: Quentin Tarantino

Nennen Sie mich Snake, knurrt Russell darin, als der Polizeichef ihn immer mit Plissken anredet. Erst am Ende, nach erfolgreicher Mission, als er von dem heimtückischen Auftraggeber nichts mehr wissen will, verlangt er, dass der ihn Plissken nennen soll. Wir hätten ein gutes Team abgegeben, sagt der Polizeichef, Lee Van Cleef.

Man kennt den Satz aus vielen Western. Kurt Russell hat diese amerikanische Solidarität, die über Rivalitäten und Fronten hinweg funktioniert, immer wieder verkörpert, auch wenn er nur in wenigen richtigen Western spielte. Er war Wyatt Earp und der Sheriff in "Bone Tomahawk", der einen Haufen kannibalistischer Indianer jagt, und der Kopfgeldjäger in "The Hateful Eight", Quentin Tarantinos bemühtem Exkurs in die Westerngeschichte.

"Die Klapperschlange" ist heute, zwei Generationen weiter, wohl keiner der wichtigen Momente der kollektiven Erinnerung mehr, aber einem Fan ging sie nicht aus dem Kopf: Quentin Tarantino. "Wenn ich die Zeitung aufschlage und Anzeigen sehe mit Kurt Russell in 'Dreamer' oder in 'Miracle', ... dann denke ich mir, wann wird Kurt Russell mal wieder ein richtiger badass sein?" Ein mieser, harter Brocken - Tarantino hat dann selber dafür gesorgt und Kurt Russell in seinen Film "Death Proof" gesteckt.

Kurt Russell ist nie der Superstar geworden, der er hätte sein können

Als Stuntman Mike macht er auf den Highways mit seinen mörderischen Wagen, unter anderem einem 1969er Dodge Challenger, Jagd auf selbstbewusste junge Frauen. In "Dreamer" und in "Miracle" hatte Russell Rollen von schöner Gelassenheit gehabt, er war ein Pferde- und ein Eishockeytrainer, einer, der sich um seine Mannschaft, seine Leute sorgt. Das sollte er dann auch in Tarantinos neuestem Film tun, "Once Upon a Time ... in Hollywood", als Stuntman, der sich sogar überreden lässt, dem ungehobelten Brad Pitt noch eine Chance zu geben.

Kurt Russell ist nie der Superstar geworden, wie man es nach der "Klapperschlange" erwarten hätte können, er war einfach nicht egomanisch genug, stand gern am Rand, spielte im Paar mit anderen Männern, er drehte solide kleine Action, unter anderen mit Roland Emmerich und Wolfgang Petersen, "Stargate" und "Poseidon". Wenn er sich doch mal ins Zentrum schieben musste, ist er zappelig - als Elvis, in seiner ersten gemeinsamen Arbeit mit John Carpenter, ein TV-Film. Als Kinderstar hatte er, in den Sechzigern, in einem Film einmal Elvis gegen das Schienbein treten dürfen.

Mit seiner kräftigen Figur und dem breiten Gesicht verkörpert Russell das prollige Amerika, Jahre bevor es in der Trump-Ära hässlich ins Licht rückte. Er tat das komisch in "Overboard", 1987, als robuster Zimmermann, vier Söhne, der an eine verwöhnte Millionenerbin gerät, Goldie Hawn, jenseits der Leinwand Russells Lebenspartnerin. Er tat es zärtlich in "Silkwood", 1983, als Mann von Meryl Streep, beide arbeiten in einer Plutoniumfabrik in Oklahoma, sie wird verstrahlt, er muss ihr, durch zärtliche Körpernähe, seine Liebe beweisen und dass sein Begehren weiter heftig ist: "Can't stand away from you". Über ihrem Bett hängt, mit trotziger Selbstverständlichkeit, die alte Südstaatenflagge.

In einem Film wird dieser soziale Status dekliniert, auf schmerzlich sensible Weise, "Tequila Sunrise", 1988, von Robert Towne, dem klugen Drehbuchautor von "Chinatown". Kurt Russell ist der Cop Nick, der hinter dem kriminellen Mel Gibson her ist. Russell trägt feine Anzüge und Krawatte, aber man merkt, er gehört nicht wirklich dazu. Er versucht immer wieder, Linien zu überschreiten. Er darf, als er sich mit Gibson in einem tollen Restaurant trifft, von dessen Tellerchen kosten, ja, Märchen sind grausam ... Er verguckt sich in die Chefin, Michelle Pfeiffer, die wirklich klasse ist. Ob er eine Creme brauche, fragt sie, weil seine Lippen an den Zähnen kleben - oder ob das seine Idee eines Lächelns sei? Kurt Russells Grinsen macht eine Fratze aus seinem Gesicht: "Oh man, you are tough" ... Sie schafft ein fröhliches unbekümmertes Grinsen: "You are a bad boy, Nick."

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