Kurdische Kampflieder Halb Türke, halb Kurde

Die Hymnen der PKK, diese Berge-Nebel-Falken-Romantik, die verschwitzten, zum Teil folkloristischen Wehrsportbeats, sind nur interessant, weil sie sich an einen anderen Musiker heranknarzen, an einen, den man außerhalb der Türkei nicht kennt, obwohl man genau den kennen sollte, wenn man das Ewige Kurdische Drama verstehen will.

Ahmet Kaya. Er war halb Türke, halb Kurde. Er starb vor vierzehn Jahren in Paris an einem Herzinfarkt. Seine dreizehnjährige Tochter und seine Frau, endlich mal wieder beide zu Besuch aus Istanbul (Herbstferien, Papa), fanden ihn am Morgen im Flur.

Geliebt, gehasst

Kaya starb im Exil. In einem Land, mit dessen Nasallauten er nichts anfangen konnte. Ein kleiner Mann mit einer Stimme wie Frühlingsdonner und einem Salzundpfefferbart. Er hatte zugenommen vor Einsamkeit. "Ich verstehe nicht die Namen der Weine, die ich hier trinke", sagte er seiner Frau am Telefon.

Im Herbst des Jahres 2000, bis zu seinem Tod, hassten sie ihn in der Türkei. Und bevor sie ihn hinausgeekelt hatten, das war im Frühling 1999, da hatten sie ihn geliebt, abgöttisch, so wie man in der Türkei arm geborene Künstler liebt, nachdem sie es aus ihrer Gosse geschafft haben. Und heute lieben sie ihn wieder. Das ist so in Türkiye. Kurdisch: Tirkiya.

Sie ekelten ihn hinaus, weil er, der Star, einen Song auf Kurdisch aufnehmen wollte, in der Sprache seines Vaters, die er nicht sprach, aber gerne gelernt hätte.

Ahmet Kaya war von klein auf Massenpsychosen gewohnt. Er kam 1957 im ostanatolischen Malatya auf die Welt, das fünfte Kind eines Textilarbeiters, und bekam beim Aufwachsen drei Militärputsche mit und den Beginn des PKK-Krieges. Aber seine ganz persönliche, ihm alleine gewidmete Massenpsychose begann am Abend des 10. Februar 1999.

Er nahm in Istanbul mal wieder einen Preis entgegen. Nach neunzehn Alben wollte ihn nun auch der Verein der Magazinjournalisten ehren. Kaya umklammerte diesen Preis, einen goldigen Klumpen, sagte, er nehme ihn auch im Namen der Samstagsmütter entgegen, einer Frauenbewegung, der er einen Song gewidmet hatte, Frauen, die nach ihren im Krieg verschwundenen Söhnen suchten, und dann sagte er, lächelnd, und seine Stimme wurde laut: "Weil ich kurdischstämmig bin, werde ich auf meinem nächsten Album einen Song auf Kurdisch singen und einen Clip dazu drehen."