Kurdische Kampflieder Lieder des Guten

Er sang so über das Drama der Kurden, dass man dachte: Das ist unser aller Drama. Dabei sang er auf Türkisch. In memoriam Ahmet Kaya.

Von Tim Neshitov

Menschen, die gut mit Panzerfäusten umgehen können, machen selten gute Musik. Sie machen in der Regel gar keine Musik. Kampflieder für Guerilleros werden von Leuten geschrieben, die vermutlich weder mit Waffen umgehen können noch viel von Musik verstehen. Zumindest in Kurdistan scheint es so zu sein.

Es gibt ein Kampflied der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) mit dem Titel: "Vur gerilla, vur", auf Deutsch: Schlag zu, Guerilla, schlag zu! Es geht so: "Du bist die Hoffnung des kurdischen Volkes, in den Bergen, in den Felsen, in den Städten, auf den Plätzen. Schlag zu, schlag zu, schlag zu!"

Vur vur vur. Vur-r-r.

Eine E-Gitarre begleitet das. Es klingt, als hätte der Blitz eine Regentonne getroffen, nein, viele Blitze viele Regentonnen. Dieses Kampflied ist auf Türkisch, aber natürlich gibt es viele davon auf Kurdisch.

Kampflieder sind nicht dazu da, um in Köpfen und Herzen Schönes und Tiefes anzuregen. Sie sind nicht für die Nachwelt da, sondern für diesen Augenblick, in dem man töten soll, ohne Reue zu empfinden, und sterben, ohne Angst zu haben.

Die Kampfmusik der PKK ist eine andere Nummer - nichts für die Nachwelt

Das Vur-Vur-Lied war einst für den Kampf gegen türkische Soldaten bestimmt (in den Bergen) und deren soldatengebärende Mütter und Schwestern (in den Städten). Nun aber kämpft die PKK gegen die Isis-Monster - während wir hier Tatort gucken und Zeitung lesen. Und in der Zeitung steht, dass die Bundesregierung die PKK als Terrororganisation einstuft.

Land unter Druck

Nur wenige Meter von der eigenen Grenze die Dschihadisten, Hunderttausende Flüchtlinge im Land, die Friedensverhandlungen mit den Kurden lahmgelegt: Der Vormarsch der Terrormiliz "Islamischer Staat" ist für die Türkei ein Desaster. Vor welchen Herausforderungen das Land steht. Von Luisa Seeling mehr ... Analyse

Egal, was man von der PKK hält, ihr Liedgut wäre nicht weiter interessant. Kurdische Musik hat so viel mehr zu bieten. Einer ihrer Besten, Şivan Perwer, lebte bis vor Kurzem in Deutschland, ein Meister der Saz, ein Dichter auch, ein politischer (deswegen lebte er auch im Exil). "Oh Herz", sang er, "lass mich im Vaterland begraben werden, im Kurdenland, im Land der Tapferen." Nun lebt Perwer im Vaterland, im türkischen Kurdistan, denn es hat sich dort viel zum Besseren gewendet.