Ein Jegliches, sagt der Prediger Salomons im Alten Testament, habe seine Zeit: das Steine-Sammeln wie das Steine-Zerstreuen. Und so kommen auch am Ende des leidenschaftlichsten Sammlerlebens manchmal einfach die Trödler ins Haus, um zu schauen, wie sie das Zusammengetragene wieder unter die Leute bringen können. Im Fall des kürzlich verstorbenen Hamburger Großsammlers Harald Falckenberg hat das jetzt Christian Jankowski in die Hand genommen, einer der Künstler, die Falckenberg schon seit dessen Diplom an der Kunsthochschule Hamburg begeistert unterstützt hat. (Er kaufte damals das schnell berühmt gewordene Video der Performance "Die Jagd", eines Supermarkteinkaufs mit Pfeil und Bogen.) Jankowski, dem spät berufenen, lebensfrohen Sammler genauso zugetan wie dieser ihm, hat nun also das Haushaltsauflösungsunternehmen "Rümpelwelt" beauftragt, sich nicht Falckenbergs Kunstsammlung, sondern seines Hausstands anzunehmen. Denn die Witwe verlässt die gemeinsame Wohnung und zieht in eine kleinere. Was dann bleibt und bis zur besenreinen Übergabe raus muss, vom Bürostuhl bis zu den Büchern, hat er zum größten Teil allerdings erst einmal nach Potsdam bringen und in der Villa Schöningen abladen lassen, dem von Springer-Chef Mathias Döpfner finanzierten Ausstellungshaus direkt an der Glienicker Brücke. Über dem Eingang zu dem sehr vornehm neoklassizistischen Bau finden überraschte Spaziergänger seitdem ein Schild mit der Aufschrift: "Antik Stübchen Nachwort", und zwar in der bei Trödelläden wegen ihres Nostalgie-Looks beliebten Jugendstil-Schriftart Böcklin. Darunter: "Renaissance als Kulturtechnik".
Kunstsammlung FalckenbergMuss alles raus?
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Zu Ehren des verstorbenen Sammlers Harald Falckenberg: Warum der Künstler Christian Jankowski die von Mathias Döpfner finanzierte Villa Schöningen in einen Trödelladen verwandelt hat.
Von Peter Richter
