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Kunstmesse:Partykeller statt Museum

Der Philosoph

Peter Herrmann: "Der Philosoph" (2005).

(Foto: Bermel von Luxburg Gallery)

Daniel Hug bringt neuen Schwung in die traditionsreiche, zuletzt aber eher matte Cologne Fine Art & Design. Die Antiquitäten streicht er aus dem Titel, statt dessen zeigt er Bauhaus und Gebrauchskunst.

Eine weiße Stadt hatte sich Daniel Hug für sein Messedebüt vorgestellt, etwas wie Essaouira in Marokko, die Assoziation mit einem Basar ist durchaus erwünscht. Tatsächlich leuchten die Stände der 50. Cologne Fine Art & Design im edlen Weiß auf schwarzem Grund, und einige Händler hatten sich nach der lebhaften Eröffnung heiser geredet.

Ob das schon die Vorboten eines Kaufrausches waren, wie ihn die Kölner Traditionsmesse in den letzten Jahren selten sah, muss sich allerdings noch erweisen. Auch die Begeisterung der Händler hielt sich zuletzt eher in Grenzen. Aus diesem Grund versucht sich Hug, der bereits die einst kränkelnde Art Cologne wieder erstarken ließ, ein weiteres Mal als Retter in der Not.

Verwandelt er nun die frühere Westdeutsche Kunst- und Antiquitätenmesse endgültig in eine kleine Art Cologne? Ganz im Gegenteil, oder, in Hugs Worten: "Nichts wäre schlimmer." War der Anteil der Antiquitätenhändler in den letzten Jahren kontinuierlich geschrumpft, hat Hug ihn wieder leicht vergrößert (sechs von 95 Ausstellern) und einige prominente Vertreter der Branche zurückgelockt.

So gab Nils Viebahn der Cologne Fine Art & Design nach neunjähriger Abstinenz wieder eine Chance und brachte neben einem handlichen Borghese-Gladiator aus Bronze und einem kostbaren Backgammon-Tisch auch ein echtes Trumm von einer Kiste mit. Im frühen 16. Jahrhundert, so Viebahn, war die eisenbeschlagene Stollentruhe ein Statussymbol wie heute ein Porsche, zudem lasse sich die Wendung "Sich etwas auf die hohe Kante legen" zu dieser Möbelgattung zurückverfolgen. Aber wer gibt für so etwas heute Geld aus? Viebahn versichert, die Truhe werde gerne mit modernen Gemälden kombiniert.

Für solche Alt-Jung-Kontraste ist die aufgefrischte Messe der richtige Ort. Auch unter Hug huldigt sie dem Crossover- oder Gemischtwaren-Prinzip. Neben Antiquitäten, klassischer Moderne und Nachkriegskunst gibt es Asiatika, christliche Ikonen, afrikanische Fetische oder Bauhaus-Design zu kaufen. Wobei gerade die jüngere Geschichte der Messe zeigt, dass Crossover allein - selbst Oldtimer wurden in Köln schon auf Podeste drapiert - nicht automatisch Erfolg verheißt. Bei Hug scheint das Konzept auch deswegen aufzugehen, weil er die Sparten nicht quer über die Messe verteilt, sondern jeweils in mehr oder weniger enger Nachbarschaft präsentiert.

Wem Viebahns Truhe nicht zusagt, wird dann eben vielleicht schräg gegenüber beim Biedermeier-Händler Tilman Roatzsch fündig. Wobei die Zeit der Spontankäufe, so Roatzsch, auf dem Antiquitätenmarkt eigentlich vorbei sei. Auch ganze Wohnungseinrichtungen nehme heute niemand mehr ab. So konzentriert sich der bayerische Händler in Köln auf kombinierbare Einzelstücke wie Stühle, Kommoden, Spiegel oder Kerzenleuchter. Etwas aus der Reihe fallen die Baluster aus dem Kasseler Fridericianum: Die einzelnen Säulen einer Balustrade warten auf ein neues Leben als klassizistische Gartenzierde oder Podeste für moderne Skulpturen.

Anders als Viebahn hat Roatzsch der Cologne Fine Art die Treue gehalten. Sehr viele Alternativen gibt es im weiteren Umkreis auch nicht: außer der deutlich kleineren Highlights in München und der Brafa in Brüssel eigentlich nur die Tefaf in Maastricht. Mit der nur eine gute Autostunde entfernten Vorzeigemesse vergleicht aber niemand die Cologne Fine Art, obwohl die etwas jüngere Tefaf auch davon profitierte, dass die westdeutschen Händler anfangs kaum ausländische Konkurrenz auf ihre Messe ließen. Heute ist man in Köln schon froh, wenn man, wie Roatzsch, von jemandem gehört hat, der einige klassische Tefaf-Sammler gesehen haben will.

Sofern ihm der Erfolg Recht gibt, plant Hug, in den nächsten Jahren wieder mehr Händler alter Möbel und alter Kunst nach Köln zu holen. Heute ist das Übergewicht des modernen Kunsthandels noch unübersehbar. Als Bindeglied zwischen beiden Welten hat Hug das Design auserkoren und demonstrativ in den Messenamen aufgenommen. Seine Losung "Was früher Antiquitäten waren, ist heute Design" macht gerade auf einer Messe Sinn, auf der die Grenzen zwischen angewandter und freier Kunst tendenziell verwischen (auch wenn sich das in den Preisen eher selten widerspiegelt).

Bei all den in Köln präsentierten Zero-Objekten, den rotierenden Scheiben, optisch aufregenden Linsenbildern oder Lichtfängern, kann man sich durchaus fragen, ob sie sich im eigenen Wohnzimmer und Partykeller nicht besser machen würden als in Museen. Letztlich sind diese Kunstwerke auch Spaßartikel, die unser Alltagsleben verschönern sollen.

Allerdings muss die Design-Sparte noch zulegen, das zeigen gerade die beiden Sonderschauen. An der "Utopie der Form"-Ausstellung läuft man leicht vorbei und verpasst dabei nicht viel, und bei den prominent platzierten (und käuflichen) Bauhaus-Originalen, besonders bei den Zeichnungen, Skizzen und Fotografien, vermisst man museale Qualität. Deutlich besser schneidet die Möbelecke ab. Ein "Armchair" von Ludwig Mies van der Rohe ist dermaßen abgewetzt, dass man ihm das Baujahr 1928 sogleich anzusehen meint.

Einige Galerien mit junger Kunst durften übrigens doch mitmachen. Bermel von Luxburg hat zwei Großformate des frisch wiederentdeckten 82-jährigen Berliner Malers Peter Herrmann dabei, einen "Philosophen" mit Kehrbesen und einen als "Kleines Miststück" verunglimpften Wäscheständer. Die ironisch-naive Direktheit der beiden Bilder sticht derart heraus, dass es selbst auf dieser erlesenen Crossover-Messe schwerfallen dürfte, ein passendes Gegenstück zu finden. Für einen Augenblick wähnt man sich auf der Art Cologne. Aber wenn nicht alles täuscht, sorgt Hug gerade dafür, dass auch seine Kölner Zweitmesse ein unverwechselbares Profil gewinnt.

Cologne Fine Art & Design. Köln. Bis Sonntag.