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Kunstmarkt:Zurück in die Zukunft

Die Taxen erreichen mittlerweile dreistellige Millionenhöhen - die Auktionen im Mai.

Vor den großen New Yorker Moderne-Auktionen zeigt sich der globale Kunstmarkt optimistisch: Es geht noch höher. Rekorde sind quasi programmiert, und die Taxen erreichen inzwischen dreistellige Millionenhöhen. Vergleichsweise bescheiden gibt sich der Impressionismus-Auftakt bei Sotheby's am 5. Mai, wo man mit einem sechsfachen Claude-Monet-Angebot an den Start geht und einem Françoise-Gilot-Porträt Pablo Picassos aus der Sammlung des Hollywood-Produzenten Samuel Goldwyn Sr., "Femme au chignon dans un fauteuil" aus dem Jahr 1948, das seit seinem Erwerb 1956 nicht mehr auf dem Markt war (Taxe 12 - 18 Millionen Dollar).

Die Hauptlose unter den Gemälden Claude Monets sind eine Venedig-Ansicht mit Dogenpalast (15 - 20 Millionen) sowie eins der Seerosenbilder aus Giverny, "Nymphéas" von 1905, angesetzt mit 30/45 Millionen Dollar. Die Angebotsspitze markiert indes van Goghs herbstliche, 1888 in Arles gemalte Landschaftsszene "L´Allée des Alycamps" aus den gemeinsamen Tagen mit Paul Gauguin für die, auf Anfrage, vierzig bis sechzig Millionen Dollar erwartet werden.

Skulptur mit Zeigegestus: Alberto Giacomettis 177,5 Zentimeter große Bronze "L'homme au doigt", 1947.

(Foto: Christie's)

Christie's hingegen setzt die Impressionisten diesmal hintan (14. Mai) und geht mit einem neuen Verkaufskonzept in die Offensive: einer Sonderauktion am 11. Mai mit dem paradoxen Titel "Looking foreward to the past", einer Art Rolle rückwärts in die Zukunft mit angeblich besonders aus der Vergangenheit inspirierten Innovationen, tatsächlich mit einer in die Vergangenheit erweiterten Blue-Chip-Parade von 25 Losen für den Kreis der Superreichen. Stichwort: von Claude Monet bis Urs Fischer.

Spektakulär sind die Taxen. Spitzenlos ist Picassos Version "O" der "Femmes d' Alger" aus der 1954/55 entstandenen 15-teiligen Serie seiner Delacroix-Paraphrasen. Sie gehörte einst dem New Yorker Sammlerpaar Victor und Sally Ganz, wurde 1997 bei Christie's in New York mit einer Taxe von zehn bis zwanzig Millionen aufgerufen und schließlich für 31,9 Millionen Dollar zugeschlagen. Jetzt, nicht ganz zwanzig Jahre später, geht das Gemälde mit der vierzehnfachen Schätzung von 140 Millionen Dollar an den Start - als "einer der besten Picassos in privater Hand" gepriesen und solcherart präpariert, den bisherigen auf dem Markt erzielten Höchstpreis von 127 Millionen Dollar (für Francis Bacons "Three Studies of Lucian Freud", 2013) zu toppen. Mit von der Partie ist ein großer in Orange-Rot vibrierender Mark Rothko, "No. 36 (Black Stripe", aus der Sammlung Frieder Burda (30 - 50 Millionen).

140 Millionen

Dollar lautet die Schätzung für Picassos Version "O" der "Femmes d' Alger" aus der 1954/55 entstandenen Serie seiner Delacroix-Paraphrasen. Sie wird bei Christie's angeboten und angepriesen als "einer der besten Picassos in privater Hand". Ein echtes Liebhaberstück eben - für Superreiche.

Und auch Alberto Giacomettis 177,5 Zentimeter große Bronze mit Zeigegestus, "L´Homme au doigt" aus dem Jahr 1947 soll mit einer 130-Millionen-Dollar-Taxe den Appetit der Großsammler weit über den bisherigen Künstlerrekord von 103,9 Millionen für "L´homme, qui marche" stimulieren.

Bei Sotheby's steht am 12. Mai Roy Lichtensteins frühes riesenhaftes Comic-Gemälde mit Verlobungsring aus den frühen Sechzigern, "The Ring (Engagement)", im Zentrum der Offerte; ein Stück Pop Art, das 1997 noch für 2,2 Millionen Dollar zu haben war und nun, gut siebzehn Jahre später, um die fünfzig Millionen Dollar kosten soll. Ein prachtvoller großformatiger Mark Rothko von 1954, die Farbfelder in Blau und Gelb, hat hier mit vierzig bis sechzig Millionen Dollar seinen Preis. Auch ein erstes, aus der spektakulär erfolgreichen Londoner Versteigerung deutscher Nachkriegsmalerei der Sammlung Dürckheim 2011 stammendes Werk ist bereits wieder auf dem Markt: Sigmar Polkes Sonnenuntergangslandschaft "Dschungel", damals mit Aufgeld für 9,2 Millionen Dollar erworben, sieht sich in der aktuellen Offerte auf um die zwanzig Millionen Dollar gehoben. Mit einem Francis-Bacon-Hochkaräter, "Seated Woman", einem 1961 gemalten ganzfigurigen Portrait von Muriel Belcher, der Wirtin der legendären Londoner Künstlerkneipe Colony Room, beschließt Phillips schließlich die Auktionsserie (Taxe 25 - 35 Millionen Dollar).