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Kunstkrimi um Gurlitt-Erbe:Vergebliches Warten auf Antwort von Monika Grütters

Das steht im Gegensatz zu dem Bild der Gurlitts in der Öffentlichkeit. Selten ist eine Familie wohl so berühmt geworden und gleichzeitig unbekannt geblieben. Die Nachfahren und Verwandten des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt fanden sich im Fokus der Öffentlichkeit, als bekannt wurde, dass Cornelius Gurlitt, Sohn des Sammlers, in Schwabing einen Kunstschatz zweifelhafter Herkunft hütete.

Der Gegensatz zwischen dem alten Mann und den Millionenwerten war verführerisch - der Erbe war schnell als verwirrt abgestempelt. Noch obskurer erschienen einige der Verwandten - darunter Ekkeheart Gurlitt, der beim Begräbnis Reproduktionen der berühmtesten Gemälde aus der Sammlung auf den Sarg warf.

Die Gurlitts galten als Nullpunkt in einem Verfahren, das doch, vor allem aus Sicht deutscher Politiker, mit einer sauberen, lückenlosen Problemlösung enden soll: Restitution aller problematischen Fälle, Ausstellung der Sammlung in der neutralen Schweiz. Ingeborg Berggreen-Merkel, Kulturbeauftragte der Bundesregierung und Leiterin der Taskforce, sagte sogar, sie fürchte sich davor, dass Bern das Erbe ausschlage. Umso mehr stellt sich die Frage, warum niemand den Kontakt zu den potenziellen Erben gesucht hat? Im Gegenteil: Nachdem sich die Familie auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt hatte, schrieb der Münchner Anwalt Wolfgang Seybold schon vor Wochen an Monika Grütters. Doch es kam keine Antwort. Ihr Sprecher Hagen Philipp Wolf erklärte gegenüber der SZ, für Gespräche mit der Familie habe es "keinerlei Anlass" gegeben. Man befinde sich mit dem Museum im täglichen Austausch. Es sei ausgemacht, dass es das Erbe annehme.

Die Entscheidung des Stiftungsrats des Museums am 26. November wird in Berlin offenbar als bloße Formalie verstanden. In Bern hat man in den letzten Wochen allerdings immer wieder darauf beharrt, es sei völlig offen, wie sich der Stiftungsrat entscheiden werde.

Doch selbst im Fall der Annahme des Erbes ist es durchaus möglich, dass man mit den schnöde Abgewiesenen noch wird kooperieren müssen. Nach Informationen der SZ liegt mindestens ein Gutachten vor, das die volle Testierfähigkeit von Cornelius Gurlitt infrage stellt.