Kunsthandel Gemälde für das 300-fache seines Schätzwertes verkauft

Das Gemälde "Heilige Familie mit Johannesknaben und heiliger Lucia von Syraku" wurde für 180 000 Euro verkauft. Vielleicht ist es sehr viel mehr wert - oder weniger.

(Foto: Hargesheimer Kunstauktionen Düsseldorf)

500 Euro sollte das Bild "Heilige Familie mit Johannesknaben und heiliger Lucia von Syraku" wert sein, schätzte das Düsseldorfer Auktionshaus Hargesheimer. Am Wochenende wurde es nun aber für 180 000 Euro versteigert. Wie es dazu kam und ob das Ölgemälde das Werk eines alten Meisters sein kann, erklärt Frank Hargesheimer, der das Bild stilistisch geprüft hat.

Von Klara Fröhlich

SZ: Herr Hargesheimer, wie haben Sie das Gemälde denn untersucht?

Frank Hargesheimer: Drei Experten für alte Meister aus unserem Auktionshaus, darunter ich selbst, haben sich das Bild intensiv angeschaut. Ich fand das Gemälde auch sehr interessant. Aber für eine genaue Analyse hatten wir keine Zeit. Das hätte bei diesem Bild auch ein oder zwei Jahre gedauert. Es ist nämlich in einem extrem schlechten Zustand. Es ist stark übermalt, man kann die Leinwand nicht mehr sehen.

Haben Sie trotzdem einen Verdacht, von wem es stammen könnte?

Wir vermuten, dass es von dem Maler Jacopo Palma il Vecchio kommt, bekannt unter dem Namen Palma Vecchio. Das ist ein italienischer Maler, der auch in Venedig gelebt und im gleichen Kreis wie die italienischen Meister Tizian und Giorgione gearbeitet hat. Wenn das so wäre, dann würde das Bild aus dem 15. oder 16. Jahrhundert stammen.

Sie haben das Bild im Auktionskatalog auf hundert Jahre später datiert.

Das stimmt, wir haben es auf die venezianische Schule im 17./18. Jahrhundert datiert, weil wir die stilistische Analyse in sehr kurzer Zeit vornehmen mussten.

Haben Sie es deshalb nur auf 500 Euro geschätzt?

Der Käufer wollte das Gemälde unbedingt in der Auktion verkaufen. Der Katalog war schon in Arbeit und wir konnten das Werk gerade noch so aufnehmen. Ohne gründliche Prüfung kann man nicht genau sagen, ob das Werk tatsächlich von einem großen Meister wie Palma Veccio oder sogar Tizian gemalt wurde, und dementsprechend nicht mit einem Preis, der diesen Gemälden entspricht, anbieten. Das Risiko viel zu viel bezahlt zu haben, hat somit der Käufer. Es könnte nämlich auch nur ein Gemälde von einem Schüler dieser berühmten Maler sein.

Was passiert jetzt mit dem Gemälde?

Das Bild muss ausführlich untersucht werden. Das heißt, die Farbpigmente müssen analysiert werden und es muss eine Röntgenaufnahme gemacht werden. Es muss noch einmal eine stilistische Einordnung stattfinden. Solche genauen Untersuchungen können wir auch machen. Allerdings nur, wenn der Kunde uns dazu beauftragt. In diesem Fall haben wir eine genaue Untersuchung empfohlen, aber der Besitzer wollte das nicht.

Und jetzt ärgert er sich?

Wieso? Er hat doch einen guten Preis für das Bild bekommen. Der kann auch viel zu hoch sein, falls es sich um keinen alten Meister, sondern um ein Schülergemälde handelt. Das Risiko trägt jetzt der Käufer.

Wer hat das Bild denn gekauft?

Das darf ich leider nicht sagen. Wir hatten 80 bis 90 Bieter in der Live-Auktion in unserem Auktionshaus in Düsseldorf und noch einmal 40 Telefonanfragen, die wir alle abgearbeitet haben. Fünf von diesen Bietern haben sich für das Bild interessiert, darunter ein französischer Kunsthändler aus Paris, der bis 140 000 Euro mitgegangen ist.

Und das letzte Angebot...?

Das kam von einem italienischen Händler, der das Bild dann für 150 000 Euro und 25 Prozent Aufgeld ersteigert hat. Das Gemälde wurde also für insgesamt etwa 180.000 Euro verkauft.

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