Subventionen für "Kunsthalle Berlin":"Kaum zu rechtfertigen"

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In diesen Flugzeughangar ist jetzt die private "Kunsthalle Berlin" eingezogen. Miete muss der Betreiber nicht bezahlen. (Foto: John Macdougall/AFP)

Die umstrittene "Kunsthalle Berlin" wurde oft mit dem Hinweis verteidigt, wenigstens koste sie die Öffentlichkeit nichts. Jetzt gibt es neue Erkenntnisse.

Von Jörg Häntzschel

Seit am 28. Januar die private "Kunsthalle Berlin" in zwei Hangars des ehemaligen Flughafens Tempelhof eröffnet wurde, reißt die Kritik nicht ab. Nun dürfte sie noch lauter werden: Anders als bisher bekannt, erhält der Kulturmanager Walter Smerling für sein Projekt öffentliche Gelder in erheblichem Umfang. Das berichtete die FAZ am Samstag.

Ende 2021 hatte in Berlin die Nachricht für Freude gesorgt, dass Teile des leerstehenden Flughafens für Kunst genutzt werden sollten - genau das hatten Berliner Künstler seit Langem gefordert. Um so größer war der Ärger bei vielen, als sich herausstellte, dass nicht etwa Ateliers und Ausstellungsflächen für die von Pandemie und Mietpreisen bedrängten Künstler geplant waren, sondern eine private "Kunsthalle Berlin", organisiert von dem Verein "Stiftung für Kunst und Kultur e.V. Bonn", dessen Gründer der in Kunstkreisen als überaus effektiver Strippenzieher bekannte Walter Smerling ist. Smerlings Verein betreibt in Duisburg das private Kunstmuseum Küpersmühle. In Tempelhof hatte er kürzlich bereits die umstrittene Ausstellung "Diversity United" veranstaltet, die vom Außenministerium mit einer Million Euro bezuschusst worden war.

Dass die Stadt Berlin die riesigen Hallen nun für zwei Jahre Smerling, seiner Stiftung und ihren Sponsoren überlassen hat, rief einen mittleren Proteststurm hervor. Die Künstlerin Candice Breitz startete sogar einen Boykottaufruf. Die Verteidiger des Smerling-Projekts hielten entgegen, immerhin würden die Hallen jetzt nach Jahren des Leerstands sinnvoll genützt. Öffentliche Stellen hätten eine Ausstellung wie die jetzt gezeigte des französischen Bildhauers Bernar Venet doch niemals so schnell auf die Reihe gekriegt. Solange es die Öffentlichkeit nichts koste, sei nichts dagegen einzuwenden.

Doch wie die FAZ herausfand, ist dem eben nicht so. Die frühere Berliner Regierung unter dem damaligen Bürgermeister Michael Müller habe Smerling die Hallen, die von der staatlichen Tempelhof Projekt GmbH verwaltet werden, mietfrei überlassen. Obendrein übernimmt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen 50 Prozent der Betriebskosten, was sich bei den gewaltigen Hallen auf 100 000 Euro pro Monat belaufen könne, so die FAZ.

Wieder einmal hat man in Berlin das Modell der Public-private-Partnership missverstanden als öffentliche Förderung von privaten Projekten. Immerhin sieht das auch die neue Berliner Regierung so: "Eine Übernahme von Betriebskosten oder für den Zeitraum der Pandemie reduzierter Mieten erscheinen möglich." "Beides" sei hingegen "kaum zu rechtfertigen".

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