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Kunstbetrieb:"Es muss wieder um Inhalte gehen"

Galerie Jahn

Matthias Jahn (rechts) und Tim Geissler haben auch Benjamin Zuber mit der Videoarbeit "Hoc Est Corpus Meum" im Programm.

(Foto: Florian Peljak)

Matthias Jahn hat sich Tim Geissler als Verstärkung in die Galerie geholt. Gemeinsam wollen sie dem Kunstmarkt-Hype begegnen

Sommer im Gärtnerplatzviertel. Auf einer Bank im Innenhof der Baaderstraße 56 sitzen die beiden Junggaleristen Matthias Jahn und Tim Geissler und erzählen von ihren Plänen. Dabei wird deutlich, wie die beiden sich ergänzen. Der 33 Jahre alte Jahn wirkt sehr gelassen, spricht ein wenig bedächtig und ist darin seinem Vater, dem bekannten Münchner Galeristen Fred Jahn, nicht unähnlich. Der 30-jährige Geissler, dessen Puls offensichtlich ein paar Takte schneller schlägt, spricht auch schneller und seine Augen scheinen ständig in Bewegung zu sein.

Seit Juni ist Geissler offiziell Partner in der Galerie Matthias Jahn in der Baaderstraße. Eine Partnerschaft "auf Augenhöhe und im Dialog", wie beide betonen. Gemeinsam wollen sie in München mit junger, zeitgenössischer Kunst durchstarten, aber auch internationale Gastspiele initiieren und neue Messekonzepte ausprobierten. Jahn spricht davon, die klassische Galeriearbeit zu verändern, "gegen Marktentwicklungen, den Hype und den Kaufdrang" zu arbeiten. "Es muss wieder um Inhalte gehen. Und das Programm soll ein Statement sein", sagt er und Geissler nickt zustimmend. Dass dabei dennoch Geld verdient werden muss, ist beiden klar. Doch was die Zukunft anlangt, sind die beiden Jung-Väter recht entspannt. Und Angst vor der Konkurrenz in Berlin, wohin es viele Künstler und Galeristen zog, als Jahn in München gerade anfing, haben sie nicht.

Jahn hat also schon Erfahrung als Galerist. Noch während seines Studiums an der Münchner Akademie bei Günther Förg, lernte er bei seinem Vater, "was alles dran hängt an einer Galerie", dass es mehr bedeutet, als Nägel in die Wand zu schlagen und Bilder aufzuhängen. "Sammlerpflege" ist ein wichtiges Stichwort für ihn. Auch darin gleicht er seinem Vater, mit dem er in den ersten Jahren in enger Kooperation arbeitete, bis der ihn ermunterte, sein "eigenes Ding zu machen". Den er im Gegenzug aber überzeugte, sich nach Jahren wieder an Messen zu beteiligen. Seit 2010 ist die Galerie Jahn in der Baaderstraße eigenständig. Messen wie die Art Cologne bestreitet man in Kooperation.

Tim Geissler hat Soziologie, Philosophie und Kunst studiert. Nach Abstechern nach Brüssel und Hamburg hat es ihn nun wieder nach München gezogen. Er sammelte vor allem Erfahrung als Kurator für verschiedene Institutionen und als Initiator einer Non-Profit-Messe für junge Kunst, die er drei Jahre lang organisierte. Geissler ist außerhalb Münchens gut vernetzt. Er wird sich vor allem um Messeauftritte und neue Kontakte kümmern, aber auch das Programm mit entwickeln, Künstler betreuen und Ausstellungen kuratieren.

Mit ihrer Sommerausstellung "Finite Turn" stellt sich das Galeristen-Duo mit neuem Programm und einigen neuen Künstlern vor. Jahn will sich dabei von Geissler durchaus auch "neue Sichtweisen" aneignen. Gezeigt werden spannende Positionen von der Malerei über Installation bis hin zu Videokunst. Der Malerei wollen beide in jedem Fall verbunden bleiben, dabei aber - wie Matthias Jahn es formuliert - "das Medium der Malerei neu auffächern und interpretieren". Der Anfang wäre schon mal gemacht.

Finite Turn, Galerie Jahn, Baaderstraße 56b, bis zum 20. August, Di.-Fr. 11-18 Uhr, Sa. 11-14 Uhr

© SZ vom 10.08.2016
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