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Kunstberater Helge Achenbach:18 Millionen Euro Schaden

Achenbach ließ sich offenbar also höhere Preise als die tatsächlich gezahlten erstatten und behielt die Differenz. Mit seinen Manipulationen blähte er auch die Provision von fünf beziehungsweise drei Prozent auf, die er vom Kaufpreis für seine Dienste erhielt. Laut Handelsblatt entstand Albrecht ein Schaden von 18 Millionen Euro.

Helge Achenbach

Helge Achenbach neben seinem Bentley S1, den der Künstler Beuys zu Lebzeiten fuhr.

(Foto: Andreas Endermann/dpa)

Achenbachs Frau und seine Anwälte nennen die Vorwürfe haltlos. Hinter der Anzeige von Albrechts Witwe Babette stünden "persönliche Motive". Sie sei erbost gewesen, von den kostspieligen Käufen ihres Mannes erst nach der Bezahlung erfahren zu haben. Die FAZ raunt sogar von "Männerfreundschaft" und einem postum ausgetragenen "Eifersuchtsdrama".

Doch diese Version klingt weniger überzeugend, seit das Handelsblatt von einem zweiten Geschädigten berichtete: Christian Boehringer, 48, "Clanchef" der Familien Boehringer und von Baumbach, den Inhabern des Pharmaunternehmens Boehringer Ingelheim. Boehringer gab indirekt zu, dass Achenbach auch ihn betrogen habe. Den Schaden von 1,2 Millionen Euro habe Achenbach aber inzwischen erstattet.

Geräuschlose Trennung

Boehringer lernte Achenbach offenbar über die Düsseldorfer Privatbank Berenberg kennen, die Achenbach als Gesellschafter für ihre im Januar 2012 gegründete Kunstberatung Berenberg Art Advice sowie für den Investmentfonds Berenberg Art Capital Fund engagiert hatte. Nachdem sowohl Boehringer als auch der frühere Leiter eines Kunstmuseums auf suspekte Transaktionen aufmerksam wurden, soll die Berenberg Bank sich an die Albrechts gewandt haben. Mitte 2013 trennte sich die Bank geräuschlos von Achenbach. Dass sie keine Strafanzeige erstattete, lag wohl nicht zuletzt an dem unrühmlichen Licht, das die Sache auf die Bank wirft.

Stattdessen löste sie ihre Kunstberatungssparte und den Kunst-Fonds auf. Auf der Berenberg-Website geistert die Werbeprosa von Art Advice indes noch herum. Achenbach rühmt sich dort seiner "spezifischen Methodik zur Sammlungsanalyse" und warnt Neulinge vor den "großen Abweichungen bei der Werteinschätzung einzelner Künstler und Werke". Er verrät: "Ein Künstler ist immer dann überbewertet, wenn sich eine Gruppe von Sammlern und Händlern zusammenschließt, abspricht und möglicherweise sogar auf Auktionen die Preise künstlich hochtreibt."

© SZ vom 04.07.2014/nema
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