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Kunstaktion:Goldener Erdoğan mitten in Wiesbaden

  • In Wiesbaden wurde am Montagabend eine fast vier Meter große goldene Statue des türkischen Präsidenten Erdoğan enthüllt.
  • Die Statue ist Teil einer Kunstaktion im Rahmen der Biennale Wiesbaden, die in diesem Jahr unter dem Motto "Bad News" läuft.
  • Die Stadt Wiesbaden hat entschieden, dass die Statue bis zum Ende der Biennale am 2. September stehen bleiben darf.

Aus fast vier Metern Höhe reckt Recep Tayyip Erdoğan seinen goldenen Zeigefinger über den Platz der Deutschen Einheit in Wiesbaden. Die Statue des türkischen Präsidenten wurde am späten Montagabend enthüllt - und sorgt seitdem für Aufsehen in der hessischen Landeshauptstadt.

Der goldene Erdoğan ist Teil einer Kunstaktion im Rahmen der Biennale Wiesbaden, die in diesem Jahr unter dem Motto "Bad News" läuft. Die Kuratoren des Kunstfestivals äußerten sich in einer Stellungnahme: "Wir sind uns bewusst, dass die gestern am Wiesbadener Platz der Deutschen Einheit aufgestellte Statue kontroverse Reaktionen und Debatten auslöst, die, so glauben wir, für eine offene und starke Zivilgesellschaft jedoch unerlässlich und gerade in diesen Zeiten absolut wichtig sind."

Seit gestern Abend häufen sich die Kommentare in den soganannten sozialen Medien. "Ist das Kunst oder kann das weg?", schreibt eine Person bei Facebook. Oder: "Das ist bestimmt fake! Kann mir nicht vorstellen, dass sowas genehmigt wird". Auf die Statue selbst hat jemand mit Edding "türkischer Hitler" geschrieben. "Fuck you" steht in großen weißen Buchstaben auf dem Bauch des goldenen Erdoğans. Ein grüner Penis prangt auf seinem Bein. Doch die Statue ruft nicht nur Abneigung hervor. Unterstützer des Präsidenten lassen sich mit Türkei-Flagge vor dem goldenen Staatsoberhaupt fotografieren.

Die Polizei ist vor Ort und beobachtet die Lage. "Wir wurden genauso überrascht wie der Rest von Wiesbaden", sagte ein Polizeisprecher am Dienstagmorgen. Am Vormittag tagte der Magistrat der Stadt, um zu entscheiden, was mit der Statue geschehen soll. Das Ergebnis: Der goldene Erdoğan darf bleiben - bis zum Ende der Biennale am 2. September. Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) sagte gegenüber dem Wiesbadener Kurier: "Wir haben sehr intensiv über das Kunstprojekt diskutiert". Die Politiker kamen zur Einschätzung, dass die Statue "keine politische Demonstration" sei. "Der Magistrat ist der Meinung, dass das im Rahmen der Kunstfreiheit auszuhalten ist."

Im Vorfeld hatte das Kunstfestival eine Genehmigung eingeholt, eine überlebensgroße menschliche Statue an einem zentralen Wiesbadener Platz errichten zu dürfen, bestätigt Oberbürgermeister Gerich. "Dass es eine Statue von Erdoğan wird, war nicht bekannt."

© SZ.de/doer/segi
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