Kunstaktion Banksy-Werk vernichtet sich selbst - sofort nach der Versteigerung

Für 1,04 Millionen Pfund war "Girl and Balloon" gerade verkauft worden, da schaltet sich ein versteckter Schredder im Bilderrahmen ein. Banksy spottet und zeigt die Vorbereitung sogar in einem Video.

Von Sebastian Gierke

Ist sie das dann in Reinform, die vielbeschworene "schöpferische Zerstörung"? Vorgeführt von Banksy, dem immer noch anonymen aber weltbekannten Künstler?

"Girl and Balloon", ein Gemälde Banksys, wurde jedenfalls am Freitag während einer Sotheby's-Auktion in London zerstört. Mutmaßlich vom Künstler selbst. Und zwar direkt nachdem das Bild an den telefonisch zugeschalteten Höchstbietenden für 1,04 Millionen Pfund (1,18 Millionen Euro) verkauft worden war. In den dicken gold-barocken Rahmen war - versteckt - ein Schredder verbaut, der sich, nachdem der Hammer gefallen war, zusammen mit einem Alarmton einschaltete und das Bild in feine Streifen schnitt.

"Wir wurden gebanksyed", sagte Alex Branczik, der Chef für zeitgenössische Kunst bei Sotheby's Europa, danach bei einer Pressekonferenz. Und argumentierte, dass das Schreddern "integraler Bestandteil des Kunstwerks" sei und es deshalb möglicherweise jetzt "sogar wertvoller ist als vorher". Ob der Käufer dieser Argumentation folgt? Laut Branczik sei man jedenfalls noch "im Gespräch", ob dieser die 1,04 Millionen Pfund auch wirklich bezahlen muss.

Banksy, der seine Identität geheim hält, ist als anarchisch-kreativer Street-Art-Künstler weltweit bekannt geworden. Immer wieder hat er mit politischen und provokanten Aktionen Aufsehen erregt. In Dover kommentierte er 2017 mit einem monumentalen Kunstwerk den Brexit. In Bethlehem eröffnete er ein Hotel mit dem "hässlichsten Ausblick der Welt". Die Gäste schauen von ihren Zimmern auf die Mauer zwischen Israel und dem Westjordanland.

Und jetzt also die Zerstörung eines Millionenwertes während einer Auktion. Ein Streich, den man schlicht unterhaltsam finden oder als Hinweis auf Schnelllebigkeit und Vergänglichkeit allen Menschengemachten sehen kann. Den man aber auch als Kommentar auf den Kunstmarkt, dessen Mechanismen und Auswüchse lesen kann. Vieles in der Kunst, was ursprünglich einmal als Alternative gedacht war und seine Kraft aus dem Gestus des Widerstandes entwickelt hat, ist mittlerweile zur Konvention geworden.

Die Fotos, die während der Aktion entstanden sind, könnten jedenfalls selbst als Kunstwerk durchgehen. Auf ihnen ist zu sehen, wie das Bild durch den Schredder-Rahmen gleitet, daneben Sotheby's Angestellte und andere Anwesende, die den Vorgang mit einer Mischung aus Belustigung, Erstaunen und Erschrecken beobachten.

Einige Zeit nach der Auktion veröffentlichte der Künstler bei Instagram ein Video, in dem er die Vorbereitung der Auktion zeigt. In dem Clip heißt es, er habe bereits vor Jahren den Schredder heimlich in den Rahmen eingebaut - im Falle, dass das Kunstwerk jemals bei einer Auktion zu erwerben sei.

Die große Kulturkritikerin Susan Sontag hat mal geschrieben, dass sich Künstler durch ihr Schweigen aus dem Sklavendienst an der Welt befreien. Banksy hat noch einen anderen Weg gefunden.

Auf Instagram schrieb der Künstler: "going, going, gone". Auf deutsch: "Zum Ersten, Zum Zweiten und zum Dritten -Verkauft". "Gone" bedeutet aber auch: verschwunden.

So politisch ist Banksys Kunst

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