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Kunst:Von Sternensuchern und Sinndeutern

Die Galerie Rüdiger Schöttle widmet sich dem Werk von Susan Weil, Susan Boutwell stellt den Künstler Peter Westwood vor, und Jo van de Loo präsentiert fünf Künstler, die vom Kosmos fasziniert sind

Susan Weils Papierarbeit "Blue Configuration".

(Foto: The artists / Courtesy the Galleries)

Auf den ersten Blick erinnert das Werk "Blue Configuration" von 1999 an die "Blueprints", mit denen Susan Weil berühmt wurde. Wobei man hier sofort einhaken muss. Denn obwohl die 1930 geborene Amerikanerin schon lange mit dieser Blaupausentechnik experimentierte, wurden ihre Arbeiten erst von der Kunstszene wahrgenommen, als sie die figürlichen und teils floralen Arbeiten gemeinsam mit ihrem Mann Robert Rauschenberg Ende der Fünfzigerjahre als Serie vorlegte. Sie die Ideengeberin, er der dafür Gefeierte. Dabei waren die beiden, die sich in Paris kennengelernt hatten, nur drei Jahre lang ein Paar. Und dass Rauschenberg ans berühmte Black Mountain College ging, wo Künstler wie Albers, de Kooning, Feininger, Gropius, Motherwell und Twombly lehrten, ging auch auf die Initiative von Weil zurück.

Um so schöner, dass der Galerist Rüdiger Schöttle die mittlerweile 89 Jahre alte Künstlerin nun nach München gebracht hat, wo er ihr eine Einzelausstellung widmet. Zu sehen sind auch Blueprints, mit denen sie bis heute experimentiert. Vor allem aber zeigt die Ausstellung, wie interdisziplinär Susan Weil denkt, wie sie aus Flachware plastische Objekte formt und raumbezogen arbeitet. Einen Vogelschwarm auf Papier fragmentiert sie und lässt ihn ums Eck flattern. Ähnlich geht sie mit menschlichen Körpern um, die sie durch Versetzung und Übereinanderschichtung der Blätter neu formt. Fragmentierte Motive, Verschiebung verschiedensten Trägermaterials, Raumkonzepte - "Once In A Blue Moon" von Susan Weil ist absolut sehenswert.

Susan Weil: Once In A Blue Moon, Galerie Rüdiger Schöttle, Amalienstraße 41, bis 31. August, Di.-Fr. 11-18 Uhr, Sa. 12-16 Uhr, während der Sommerpause vom 3.-23. August nur nach Vereinbarung (info@galerie-schoettle.de oder t 33 36 86)

Peter Westwoods Gemälde "Fugitive Energies".

(Foto: The artists / Courtesy the Galleries)

Eine Neuentdeckung für München sind die Werke von Peter Westwood. Der australische Künstler, Kurator und Schriftsteller lebt in Melbourne und setzt sich in seinen Schriften ebenso intensiv mit der Kunst auseinander wie in seinem malerischen Werk. Susan Boutwell, die vor knapp zwei Jahren ihre Galerie im Kunstareal eröffnete, nachdem sie 15 Jahre lang eine Galerie in Sydney betrieben hatte, präsentiert vor allem zeitgenössische australische Künstler jenseits der klassischen Aboriginal Art. Westwoods Gemälde zeigen vordergründig Landschaftsmotive. Doch Themen wie Ausbeutung natürlicher Ressourcen, Klimawandel und die daraus resultierenden Auswirkungen auf den Menschen spielen eine große Rolle. Den menschlichen Eingriff in die Natur stellt Westwood oft mit kraftvollen Farben dar - nicht plakativ-anklagend, sondern rätselhaft-versteckt. Kunst, die auf subtile Weise zum Nachdenken anregt.

Peter Westwood: What Is The Story For Tomorrow , Susan Boutwell Gallery, Theresienstraße 48, bis 31. August, Mi.-Fr. 12-18 Uhr, Sa. 12-15 Uhr, während der Sommerpause vom 5.-24. Aug. nur nach Vereinbarung (t 0152/56 00 40 62)

Paul Kranzlers und Andrew Phelps' Foto "Drake Equation".

(Foto: The artists / Courtesy the Galleries)

Gleich nebenan zeigt Jo van de Loo in der 50. Ausstellung seiner Galerie Arbeiten von fünf Künstlern. Großartig ist die Fotodokumentation von Paul Kranzler und Andrew Phelps, die rund um das Green-Bank-Observatorium in West Virginia den Spuren von Wissenschaftlern auf der Suche nach Zeichen aus dem Weltraum, Hypersensitiven, Einheimischen und Aussteigern folgten, ohne die Menschen je direkt in den Fokus zu nehmen. Direkt oder indirekt mit dem All haben die Artefakte zu tun, die Regine Peters ins Zentrum ihrer fotografischen Spurensuche stellt. Und auch die anderen Künstler beschäftigen sich irgendwie mit dem Universum. Passt ganz gut zum Jahrestag der ersten Mondlandung vor 50 Jahren.

Le Pong Le Ping, Galerie Jo van de Loo, Theresienstraße 48, bis 27. Juli, Mi.-Fr. 12-18 Uhr, Do. 12-20 Uhr, Sa. 12-15 Uhr; im August nur nach Vereinbarung (mail@galerie-jovandeloo.com)