bedeckt München 13°

Kunst - Tholey:Entwürfe für Richter-Fenster im Kloster Tholey enthüllt

Tholey (dpa/lrs) - Es sind verspielte bunte Muster mit viel Platz für Fantasie - und klarem Wow-Effekt: Die Entwürfe des weltberühmten Künstlers Gerhard Richter für drei neue große Kirchenfenster im Benediktinerkloster im saarländischen Tholey sind am Mittwoch auf Begeisterung gestoßen. "Man kann nur staunend davor stehen", sagte Frater Wendelinus Naumann vor den entrollten Entwürfen in Originalgröße über den Chorfenstern der Abteikirche. "Ich bin sicher, man kann Stunden und Tage davor sitzen und wird nach Jahren immer noch etwas Neues entdecken."

Jedes der 1,95 mal 9,30 Meter großen Fenster zeigt fünf Motive, die sich gespiegelt wiederholen und ein detailreiches Gesamtwerk ergeben. In den beiden äußeren Fenstern werden Rot und Blau dominieren, in der Mitte ist es Gelb. "Sie sehen aus wie orientalische Muster", hatte Richter über die Entwürfe der Deutschen Presse-Agentur gesagt. Sie seien "halb abstrakt, halb erzählerisch". Bei der Premiere in Tholey war er nicht dabei. Er gilt als der höchstdotierte lebende Maler der Welt.

Richter (87) hat den dort lebenden elf Mönchen seine Kunst unentgeltlich zur Verfügung gestellt - weil er sie dafür genau passend empfand. Abt Mauritius Choriol sagte zu der neuen Sensation für das Kloster: "Wir sind sehr dankbar. Ich sehe das als Fügung Gottes." Man habe eine "bescheidene Anfrage" an Richter stellen lassen und sei überwältigt gewesen, als er gleich ja gesagt habe. "Einfach unglaublich", fügte Bruder Wendelinus hinzu. "Er ist ja der Chagall von heute."

Tholey gilt mit der urkundlichen Ersterwähnung im Jahr 634 als das älteste Kloster Deutschlands. Die gotische Abteikirche wird zurzeit renoviert. Die Richter-Fenster gehen jetzt in Produktion und sollen im Juni 2020 eingeweiht werden. Der Künstler hatte zuvor schon mal ein Fenster für den Kölner Dom entworfen, das 2007 eingeweiht wurde.

Richter hat die Muster auf der Grundlage eines abstrakten Bildes durch wiederholtes Teilen und Spiegeln entwickelt. Die Motive stammen aus seinem Künstlerbuch "Patterns" - nun werden sie von den Münchner Glaswerkstätten Gustav van Treeck auf Glas gebracht.

"Wie nicht anders zu erwarten, stellt uns Gerhard Richter mit seinen Entwürfen vor große gestalterische und technische Herausforderungen", sagte die Geschäftsführerin und künstlerische Leiterin Katja Zukic. "Wir müssen und wollen die Bilder optimal in Glas übersetzen." Gearbeitet werde mit bemalten, bedruckten und farbigen mundgeblasenen Gläsern.

Die Bilder in den Rechteckfeldern und Spitzbögen der Fenster bestechen mit ungewöhnlicher Linien, Formen und faszinierenden Farbspielen. "Wenn man länger darauf schaut, versucht der Kopf, diesen Symmetrien immer wieder Näherungen zu geben", sagte Bruder Wendelinus. "Und dann entdeckt man Gesichter. Sie gibt es gar nicht, aber es gibt sie doch."

Die Fenster sollten Menschen ansprechen, Denkanstöße geben - und einfach "Freude bringen", sagte der Abt. Derzeit zähle das Kloster rund 50 000 Besucher im Jahr. Es werde künftig mit mehr Gästen gerechnet. "Das wird eine Herausforderung."

Die Mönche fühlen sich Richter verbunden. "Wir wissen ja, dass er Agnostiker ist, aber wir finden so viele Deckungsebenen mit ihm, die wirklich sehr schön sind", sagte der Bruder. Es gebe in den Psalmen einen schönen Ausdruck, der sinngemäß laute: "Gott ist derjenige, der im undurchdringlichen Licht wohnt. Die Richter-Fenster, die sind undurchdringliches Licht."

Richter war als junger Mann aus der evangelischen Kirche ausgetreten. Dem Christentum aber stehe er nahe. Es sei seine "Wurzel". "Ich bin ein Suchender, wie es alle mehr oder weniger sind", hatte er jüngst gesagt. Aus gesundheitlichen Gründen werde er auch nicht zur Einweihung in 2020 kommen. "Er hat uns bereits ein paar Mal mitteilen lassen, dass das hier sein letztes Großwerk sein wird", sagte Frater Wendelinus.

Zu den Kosten der Produktion wollten die Mönche nichts sagen. Nur so viel: Die Summe für die gesamte Renovierung der Abteikirche werde zu 15 Prozent vom Bistum Trier und zu 85 Prozent von einem privaten Gönner finanziert. Zur Einweihung der Richter-Fenster sei eine internationale Festwoche geplant, kündigte der Leiter der Musikfestspiele Saar, Bernhard Leonardy, an.

Zur SZ-Startseite