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Kunst:Steirischer Herbst

steirischer herbst '20 - Sigmund-Freud-Avatar, Paranoia TV Zentrale, Graz
(Foto: Nicolas Galani/Steirischer Herbst 2020)

Von Catrin Lorch

Absagen, Verschieben, Durchführen - das schienen in dieser von Corona geprägten Saison die drei Optionen, zwischen denen die Leiter von Großausstellungen und Biennalen sich zu entscheiden hatten. Während es nun in Venedig keine Architektur-Biennale gibt und die Manifesta in Marseille unter widrigen Bedingungen durchgezogen wird, eröffnet der Steirische Herbst in einer Form, die man nur als "coronafest" beschreiben kann: Egal was in Graz an Fallzahlen und Maßnahmen kommen wird, sie können dem in dieser Woche eröffneten Festival (das bis zum 18. Oktober läuft) nichts anhaben. Weil Künstler wie Lawrence Abu Hamdan ihr Soundpiece "A Convention of Tiny Movements - Eurospar" in den Regalen von Supermärkten installierten oder Roee Rosens Malbuch "Lucy ist krank" in einer Klinik während der Visite verteilt wird.

Zudem hat sich das Kunstfestival unter dem Titel "Paranoia TV" in den Medien eingerichtet - was sich zunächst nicht von den vielen Experimenten der vergangenen Monate zu unterscheiden scheint, in denen Künstler ihre Ateliers mit der Kamera durchstreiften oder Diskussionen als Ersatz für Ausstellungen ins Netz gestellt wurden. Doch "Paranoia TV" wurde eben von Anfang an als fernsehtaugliches Format entwickelt, man sendet nicht nur im Internet, sondern breitet sich auch auf Hunderten Monitoren aus, die in den Schaufenstern der Einkaufsstraßen aufgestellt wurden: "Paranoia TV" durchpulst ganz Graz. Und dann gibt es noch die App, das jedes Smartphone in so etwas wie eine Fernbedienung verwandelt. Es gibt Fernseh-Diskussionen zu sehen und Daily Soaps (wie "Second Look" von Lina Majdalanie & Rabih Mroué). Die handlichen Versionen der Onlinespiele, beispielsweise von Jonas Lund und Alexandra Pirici, lassen sich auch mal schnell beim Warten auf den Bus oder in der Mittagspause durchklicken. Begrüßt wird man von einem Avatar: Sigmund Freud als Deepfake-Technologie. "Es ist schwer genug sich vorzustellen, dass das Leben nie wieder zur Normalität zurückkehren wird", gibt der Vater der Psychoanalyse seinen Zuschauern in breitem Wienerisch zu bedenken. "Es ist jedoch nicht weniger beängstigend, sich heute, nach dem Lockdown, an diese Normalität zu erinnern."

© SZ vom 26.09.2020

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