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Kunst:Sponsoren und Mäzene bieten eine Chance

Beatrix Ruf

Die im Jahr 1960 in Singen geborene Beatrix Ruf leitete die Kunsthalle in Zürich, bevor sie Direktorin des Stedelijk Museums in Amsterdam wurde. Nach Kritik wegen Nebentätigkeiten hatte sie ihre Position auf- gegeben.

(Foto: Robin de Puy/dpa)

Beatrix Ruf, die ehemalige Direktorin des Stedelijk Museums in Asterdam, musste zurücktreten und wurde jetzt rehabilitiert. Ein Gespräch über Markt und Museen - und ihre große Erleichterung.

Der Rücktritt von Beatrix Ruf, der Direktorin des Amsterdamer Stedelijk Museums, erschütterte im November die Kunstszene. Niederländische Medien hatten angeprangert, dass sie mit Nebentätigkeiten hohe Einnahmen verbuchte, zudem wurden die Umstände einer Schenkung diskutiert, die mit einem Ankauf verbunden war. Wie eng sind öffentliche Museen mit dem Markt verflochten, fragten kritische Beobachter. Doch ein Untersuchungsbericht, der jetzt veröffentlicht wurde, findet keine Unregelmäßigkeiten. Alle Aktivitäten seien mit dem Aufsichtsrat und Behörden abgestimmt gewesen.

SZ: Sie wurden entlastet - wie geht es Ihnen?

Beatrix Ruf: Das Ergebnis der Untersuchung hat mich nicht nur rehabilitiert, mir wurde bescheinigt, dass ich "mit Herz und Seele die Interessen des Museums verfolgt habe". Das ist eine große Erleichterung.

Jetzt sind drei Mitglieder des MuseumsAufsichtsrats zurückgetreten. Ist das ein Eingeständnis der Tatsache, dass man sich vorschnell von Ihnen distanziert hat?

Man hat mir damals, in dieser Situation des Zweifels, nicht den Raum zugestanden, das auszuräumen. Der Aufsichtsrat hat das mitgetragen, obwohl erst jetzt mit der von der Stadt Amsterdam beauftragten Untersuchung wirklich alle relevanten Fragen geklärt sind. Umso froher bin ich über den Befund, dass ich zu jeder Zeit integer war und so gehandelt habe, wie man es von einem Museumsdirektor erwarten kann, der Verbindungen und Sichtbarkeit für sein Haus herstellen muss.

Vor allem Ihre Kontakte zu Sammlern und dem Kunstmarkt waren als zweifelhaft kritisiert worden. Jetzt heißt es, dass Sie im Einklang mit Wünschen des Vorstandes handelten. Aber entlastet Sie das?

Meine Erfahrungen mit privaten Mäzenen und Sponsoren ist, dass sie ein echtes Interesse am Gedeihen öffentlicher Institutionen haben. Das ist eine Chance, die man gestalten sollte, statt sich mit Verschwörungstheorien zu beschäftigen. Die Untersuchung hat ergeben, dass ich da mit Integrität vorgegangen bin - und wer mich kennt, weiß, dass man mich zu nichts überreden kann.

Können Sie Skepsis in Bezug auf Public-Private-Partnerships nachvollziehen?

Es sollte eher das Potenzial dieser Beziehungen diskutiert werden - nicht nur, weil sich die öffentliche Hand aus der Finanzierung zurückzieht. Wie die meisten Museen, Kunstvereine und viele andere Institutionen gehört die Zusammenarbeit mit Kunstförderern am Stedelijk Museum zur Geschichte, es wurde im 19. Jahrhundert von Bürgern gegründet. Seit mehr als zehn Jahren gibt es eine vergleichbare Gründerphase im Bereich der Kunst. Und während die einen ihre Kollektionen in privaten Museen präsentieren, gibt es viele, die Verantwortung für den öffentlichen Raum übernehmen wollen. Und das hat meist nichts mit Profitdenken zu tun.

Aber wie schätzen Sie rückblickend die Motivationslage des Kölner Sammlers ein, der seine Schenkung mit einem Ankauf verbunden hatte?

Es ist absurd, da Profitdenken zu unterstellen. Dieser Sammler hat eine langjährige Beziehung zum Stedelijk Museum. Er wollte seine Sammlung in die Geschichte des Hauses einbringen, was hervorragend passte, weil das Museum in den Neunzigerjahren viele Positionen, die er verfolgte, nicht gesammelt hat. So konnte man die hier begonnene Kunstgeschichte fortschreiben. Die Ausstellung "Jump into the Future" hat bewiesen, dass das eine unglaubliche Schenkung ist. Auch weil die Schenkungsbedingungen die Museumsrealität verstehen. Es sind keine Verpflichtungen an Dauerpräsentationen geknüpft.

Und warum der Ankauf?

Das ist wirklich nicht ungewöhnlich, das ist geläufige Museumspraxis, das Rijksmuseum erweitert so seine Sammlung, auch die Tate Gallery und viele andere.

In den USA, wo solche Modelle weiter verbreitet sind, nehmen Sammler und Galeristen in den Vorständen und Freundeskreisen aktiv Einfluss auf das Programm der Museen - ist das unsere Zukunft?

Ein amerikanisches Board ist etwas ganz anderes als der Vorstand eines europäischen Museums. Die Museen übernehmen natürlich eine große Verantwortung. Man muss Sammler finden, die wirklich ein Interesse an der Förderung der Öffentlichkeit haben, und mit ihnen Bedingungen diskutieren und aushandeln. Zu Beginn meiner Tätigkeit am Stedelijk Museum waren im Vorstand einer Förderstiftung übrigens ebenfalls Galerien vertreten, das ist heute nicht mehr so.

Früher mussten sich Kunsthistoriker zwischen Markt und Museum entscheiden, heute gibt es viele Grenzgänger. Sie haben jahrelang eine private Sammlung betreut. Ist so eine Nähe nicht problematisch?

Auf die Ringier-Sammlung, die ich über zwanzig Jahre hinweg aufgebaut habe, bin ich stolz. Und der Report bescheinigt mir, dass ich nie selbst auf dem Markt aktiv war. Dass man ein fluides Rollenmodell verfolgt, kommt in der jüngeren Generation von Kuratoren vermehrt vor, aber es gibt auch viele Beispiele in den Generationen davor: Gregor Muir war auch bei einer Galerie und ist jetzt bei der Tate Modern. Ulrike Groos wechselte von Institutionen an eine Galerie und leitet jetzt in Stuttgart das Kunstmuseum. Man kann aber auch alle Seiten kennen, ohne selbst involviert zu sein. Das Museum oder die eigene Institution muss immer im Vordergrund stehen.

In Deutschland werden Theater und Oper hoch subventioniert. Die Kunst dagegen muss viel Geld selbst einwerben. Sollte eine Öffentlichkeit, die sich Abgrenzung wünscht, nicht die Etats erhöhen?

Die öffentliche Hand muss die Kontinuität des Museums sichern, ohne Einschränkungen. Die europäischen Museumssammlungen sind doch meistens im Besitz der Städte, der Länder oder des Staates, das gibt ihnen Sicherheit für die Zukunft. Ich bin übrigens stolz darauf, dass ich als Leiterin der Kunsthalle Zürich die Subventionen der Stadt während meiner Amtszeit von nur 25 Prozent auf 48 Prozent steigern konnte.

Sie sind rehabilitiert, Künstler haben schon vor der Veröffentlichung des Berichts gefordert, dass Sie ans Stedelijk Museum zurückkehren. Ist das vorstellbar?

Erst einmal bin ich froh über den Ausgang. Ich brauche jetzt ein paar Tage, um das abzuschließen. Und ich freue mich darauf, wieder nachdenken zu können.