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Kunst:Sie weint

Neues Banksy Kunstwerk als Protest gegen gegen den Gebrauch von Tränengas gegen Flüchtlinge

"Les Misérables" mit Tränengas: Der neue Banksy in London.

(Foto: Action Press)

Graffiti-Künstler Banksy hat das "Les Misérables"- Plakat mit Tränengas verfremdet, um gegen den Umgang mit Flüchtlingen zu protestieren.

Am Wochenende verwandelte sich eine bis dahin eher nichtssagende Londoner Straßenecke in Windeseile in ein beliebtes Selfie-Motiv - wie das immer passiert, wenn ein neuer Banksy auftaucht. Plötzlich prangte an der Wand eines gerade in der Renovierung befindlichen Gebäudes im Stadtteil Knightsbridge das Konterfei von Cosette. Das Mädchen mit der Jakobinerkappe vor einer zerrissenen französischen Fahne wirbt seit Jahr und Tag für das Musical "Les Misérables". Darunter war ein Reizgas-Kanister auf die Wand gesprüht, dessen Inhalt in einer grauen Wolke nach oben stieg. Cosette weinte.

Da die Arbeit direkt gegenüber der französischen Botschaft angebracht war, fiel es nicht schwer, den vom Künstler gewünschten Bezug zur Räumung des "Dschungel"-Flüchtlingscamps in Calais herzustellen, mit der die französischen Behörden vor Kurzem begannen. Ein typisches Werk von Banksy also, dem stets im Verborgenen arbeitenden Künstler: ein schnell begreifbares politisches Statement, in diesem Falle Kritik an der französischen Flüchtlingspolitik, unter Zuhilfenahme einer Pop-Referenz von hohem Wiedererkennungswert. Letztlich ist dies eine Erweiterung kritischer Graffiti, die Banksy Ende vergangenen Jahres bereits in Calais angebracht hatte. Und für alle, die es trotzdem nicht verstanden, war daneben ein interaktiver QR-Code angebracht. Wenn man ihn mit seinem Smartphone scannte, sah man Bilder von einer Razzia der französischen Polizei im Lager von Calais, bei der auch Reizgas eingesetzt wurde.

Genau zweieinhalb Tage war Banksys jüngstes Werk in London zu sehen; am Montagabend war es dann von Sperrholz verdeckt. Zunächst hatten Bauarbeiter im Auftrag des Eigentümers, der Immobilienfirma Cheval Property Management, versucht, die Schablonenarbeit von der Wand zu entfernen. Sie war ebenfalls auf einem Stück Sperrholz aufgebracht, das wiederum eine gläserne Ladenfront abdeckte. Das Holz begann zu splittern, als die Brechstangen angesetzt wurden.

Nun habe man sich entschieden, den neuesten Banksy abzudecken, "um ihn zu schützen", wie ein Cheval-Property-Sprecher erklärte. Über die "weiteren Pläne" für das Kunstwerk werde nun gesprochen. Das wahrscheinlichste Schicksal der Arbeit wird eine sachgerechte Entfernung durch die Immobilienfirma sein. Banksy hat dem Unternehmen wohl ein Kunstwerk mit beachtlichem Marktpotenzial geschenkt. Ein Statement der französischen Regierung steht noch aus.