Kunst Sehnsuchtsblau

Farbe, die die Welt im Innersten zusammenhält: Das zwei mal drei Meter große Werk "Plan 4" von Thomas Arnolds von 2019.

(Foto: Courtesy of the artist and Jahn und Jahn, Munich)

Thomas Arnolds und Konrad Klapheck in den Galerien Jahn und Jahn

Von Evelyn Vogel

Derzeit eröffnen die Münchner Museen ja eine interessante und wichtige Ausstellung nach der anderen, so dass man kaum noch hinterherkommt, auch einmal in die Galerien zu schauen. Dabei lohnt sich ein solcher Blick durchaus. Und zwar nicht nur im Kunstareal und Innenstadtbereich, sondern auch im Gärtnerplatzviertel. Dort ragen aktuell die Ausstellungen in den beiden Galerien von Jahn und Jahn aus dem Programm heraus: Thomas Arnolds in der einen, Konrad Klapheck in der anderen.

40 Jahre Altersunterschied liegen zwischen den beiden 1935 beziehungsweise 1975 geborenen Künstlern. Doch was soll man sagen: Die technoid-surreale Objektmalerei des langjährigen Professors an der Düsseldorfer Kunstakademie Konrad Klapheck aus den Fünfzigerjahren - berühmt wurde er zunächst vor allem mit seinen Schreibmaschinenbildern - wirkt immer noch so kühl überzeugend wie eh und je. Und mit den Klinker- und Baukastenbildern von Thomas Arnolds scheinen sie auf eine strenge Art und Weise eine interessante Fortführung zu erfahren. Wobei die Schwerpunkte in den Jahn-Galerien in beiden Fällen anders gesetzt sind.

Der Bogen der Klapheck-Ausstellung spannt sich von 1986 bis 2008 und zeigt sehr schön seine Hinwendung von der Objekt- zur figürlichen und Porträtmalerei. Dabei spielen die Papierarbeiten, die Klapheck wie einst den Renaissancemalern als Vorzeichnungen dienten, eine große Rolle. Der Schritt von einem zum andern lässt sich wunderbar ablesen in den Gegenüberstellungen von Vorzeichnung und ausgeführter Malerei in den Arbeiten "Das Fenster" aus dem Jahr 2000 und "The Audience" von 2008.

Während beide Vorzeichnungen schon extrem detailliert sind, weisen die Gemälde - jenseits der hinzugekommenen Farbigkeit - zudem eine detailreiche Plastizität auf. Da wölbt sich der Bauch des Fensterstehers unter dem Feinrippunterhemd ähnlich gehörig wie sich die Hügel unter dem Sandhaufen auf der Straße abheben. Aus schablonenhaften Gesichtern und Körpern der Konzertbesucher - Klapheck muss ein großer Jazz-Freund sein - treten deutlich sichtbar dicke Backen, kräftig ausgebildete Nasen und ausgeprägte Busen hervor. Die kleine retrospektive Ausstellung kann vor allem auch mit frühen Papierarbeiten aufwarten. Diese kommen im Gegensatz zu Gemälden in jüngerer Zeit mehr und mehr als eigenständige Arbeiten auf den Markt, was angesichts ihrer Qualität durchaus ein Gewinn ist.

Neue Arbeiten von Thomas Arnolds lassen sich in der zweiten Jahn-Galerie entdecken. Eine neue schablonenhafte Arbeit in Schwarz und Weiß hängt hier, die den Bogen zu den Klapheck-Arbeiten zu schlagen scheint. Vollständig hat der 1975 geborene, in Köln lebende Künstler für seinen jüngsten Werkzyklus die Fokussierung auf die Grundfarben Rot, Gelb und Blau aufgegeben und widmet sich fast ganz und gar der Blauen Blume der Romantik. Mit intensiven Blautönen in den verschiedensten Schattierungen füllt Arnolds die Bildfläche, wobei er die Ölfarbe durch spezielle Binde- und Klebstoffe angereichert so pastos, ja geradezu skulptural aufdrückt und hinspachtelt, dass man den ehemaligen Bildhauer zu erkennen meint. Arnolds machte zunächst eine Ausbildung zum Steinmetz und Bildhauer, bevor er bei Walter Dahn an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig studierte.

Bonsai und Meditationsbank - beides streng regulierte Formen, die nach Ruhe und Vollkommenheit streben - stehen als Antipoden den mit verschlungenen monochromen Farbsträngen gefüllten Bildflächen gegenüber. In anderen Werken bilden sie gemeinsam mit reduzierten Linien eine Bildstruktur, die zielgerichtet nach Ordnung und Einklang zu streben scheint. Natur, Kultur und Architektur bilden das Formenarsenal, aus dem heraus Arnolds seine Bilder entwickelt. Diese finden sich mittlerweile in zahlreichen öffentlichen wie privaten Sammlungen Europas und haben auch in München ihre Liebhaber gefunden. Das Sehnsuchtsblau und das nach perfekter Balance strebende Formarsenal dürfte noch viel mehr Betrachter in ihren Bann ziehen.

Thomas Arnolds: Ort und Hall und Konrad Klapheck, Galerie Jahn und Jahn, Baaderstraße 56 B und C, jeweils bis zum 2. März, Dienstag bis Freitag 10 bis 18 Uhr, Samstag 11 bis 14 Uhr