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Gurlitt-Ausstellung:Was ist diesem Menschen passiert?

Gurlitt in Jerusalem

Die Sammlung Gurlitt im Israel-Museum in Jerusalem.

(Foto: Israel Museum)
  • Im Israel-Museum in Jerusalem werden seit Dienstag Werke aus dem Nachlass des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt gezeigt.
  • Noch immer besteht der Verdacht, dass es sich bei einem Teil der Sammlung um Raubkunst aus jüdischem Besitz während der NS-Zeit handelt.
  • In der aktuellen Ausstellung, die den Fokus auf Gurlitt selbst legt, sollen sich keine Werke von jüdischen Besitzern befinden - trotzdem löst sie Kontroversen aus.

Im Vorfeld gab es Debatten, ob Teile der Sammlung Gurlitt in Israel überhaupt gezeigt werden sollen. Nach Bern, Bonn und Berlin werden im Israel-Museum in Jerusalem seit Dienstag bis Mitte Januar mehr als 80 Werke aus dem Nachlass des während der Nazizeit tätigen Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt ausgestellt. Als die Sammlung 2012 in München und Salzburg entdeckt wurde, gab es den Verdacht, ein Großteil könnte jüdischen Besitzern während der Nazizeit geraubt worden sein. Am Eröffnungsabend stellte eine Besucherin dann die Frage, warum man diese Raubkunst in Israel ausstelle. Sie müsse beim Betrachten an ihre von den Nazis ermordeten Verwandten denken.

Diese Wahrnehmung, dass es sich beim Gurlitt-Nachlass vor allem um Raubkunst handle, versuchte der als Vertreter von Kulturstaatsministerin Monika Grütters nach Jerusalem gereiste Ministerialdirektor Günter Winands bei der Eröffnung in Jerusalem am Montagabend zu korrigieren. Nach "systematischer Provenienzforschung" seien bisher nur neun der Kunstwerke als NS-Raubkunst identifiziert worden. Sechs davon seien bereits zurückgegeben worden. Noch in dieser Woche werde Grütters in Berlin Werke an die jüdische Familie Deutsch de la Meurthe übergeben. "Das mag als geringe Anzahl angesichts der gesamten Anzahl erscheinen", sagte Winands. Denn bei Cornelius Gurlitt, dem Sohn des Kunsthändlers, waren 1590 Kunstwerke entdeckt worden.

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Kritik an Gurlitt und seiner Opferrolle

Die Ausstellung in Israel, die in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Bern erarbeitet wurde, zeigt Gurlitts Beginn als Sammler vor allem von Avantgarde-Kunst, dann seine Zeit als NS-Kunsteinkäufer in Paris und beleuchtet seine Rolle in der Nachkriegszeit. Die meisten Bilder, unter anderem von Otto Dix, Max Ernst, George Grosz und Emil Nolde, waren bereits in den Ausstellungen in Europa zu besichtigen. Einige Werke aus dem Fund, wie die Zeichnung "Ein maurisches Ehepaar im Gespräch auf der Terrasse" von Eugène Delacroix, werden erstmals ausgestellt.

Gurlitts Lebens wird in einem viertelstündigen Dokumentarfilm in einer Box präsentiert, die in der Mitte des Raumes platziert ist. Es ist eine kritische Annäherung. Dem Aspekt, dass Gurlitt mit Werken, die die Nazis als "entartet" diffamiert hatten, Geschäfte gemacht hatte und auch Einkäufer für Hitlers geplantes "Führermuseum" war, wird breiter Raum gegeben.

Ein Fokus liegt darauf, dass Gurlitt jüdische Verwandte hatte: seine Großmutter, seine Großtante und die Frau eines Onkels. Dass er diesen Aspekt im Zuge seines Entnazifizierungsprozesses hervorhob und sich zum Opfer stilisierte, wird als besonders schändlich bezeichnet. Im Beitrag wird kritisiert, dass er weiter Kunstwerke verkaufte, deren problematische Herkunft ihm bekannt gewesen sein müsse.