Freiheit der Kunst in China:Ai wer? - Nie gehört

Ai Weiwei bei der Eröffnung seiner Ausstellung in Peking.

Lange Haare, viel Geduld: Ai Weiwei (Zweiter von links) bei der Eröffnung.

(Foto: Rolex Dela Pena/dpa)
  • Die chinesischen Behörden habe dem Künstler Ai Weiwei erlaubt, eine Ausstellung in Peking unter seinem Namen zu eröffnen. Die Erlaubnis kommt überraschend, weil Ai Weiwei in China staatlichen Repressionen unterworfen ist.
  • Bis kurz vor Eröffnung der Ausstellung bangten die Fans, dass die Polizei kommen würde, doch dann kam Ai Weiwei sogar selbst.

Von Kai Strittmatter, Peking

Keine Vorankündigung, keine Einladung, keine Zeremonie, keine Rede. Nicht einmal ein Künstler, anfangs. Die beiden Galerien öffneten einfach ihre Türen und ließen die Leute herein. Lediglich die Reisküchlein und der südchinesische Reiswein deuteten darauf hin, dass man hier etwas zu feiern hatte.

Die Eröffnung einer besonderen Ausstellung. "Ai wer?" fragt eine junge Mutter. "Nie gehört." Ihr Sohn hatte gerade einen Malkurs besucht, hier auf dem Gelände des Kunstparks 798 im Norden Pekings, im Vorbeigehen ist sie zufällig hier gelandet. "Mein Bruder hat mir gestern hiervon erzählt", flüstert eine Zwanzigjährige, dann ist der Bruder auch schon da und zieht sie weg. Lieber keine Fragen.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht, theoretisch, die Ahnenhalle der Familie Wang aus der Provinz Zhejiang, ein mehr als 400 Jahre alter Bau, der gemeinsam mit seinem Clan unter Mao Zedong zum Ziel politischer Angriffe wurde und allmählich verfiel.

Der Künstler transportierte das Balken- und Säulen-Skelett des gewaltigen Baus nach Peking, wo er es nun in den Räumen der Tang-Contemporary-Galerie und der Galleria Continua wieder aufbaute. Und weil die eine Galerie nun nur den linken Teil und die andere nur den rechten Teil des Baus ausstellt und die zwischen den Säulen flanierenden Besucher sich den Rest in ihrer Vorstellung ergänzen müssen, teilen sich die Galerien auch den Namen des Künstlers, und so bekam die erste den "Ai" und die zweite den "Weiwei" aufs Plakat.

Dass der 57-jährige Ai Weiwei Objekte des Alltags auseinandernimmt und sie dann anders wieder zusammensetzt, das ist so neu nun nicht. Dass er es aber am hellichten Tag in Peking tun darf, dass er eine Ausstellung in seiner Heimatstadt eröffnet, eine, die seinen Namen trägt, das ist schon eine kleine Sensation.

Der Künstler, der durch die ganze Welt gereicht wird, der zuletzt in den USA die Gefängnisinsel Alcatraz und in Berlin den Martin-Gropius-Bau bespielen durfte, dem wird hier tatsächlich zum ersten Mal in seinem Heimatland eine Einzelausstellung gewidmet.

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