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Kunst im öffentlichen Raum:Gesichter aus Israel

Roland Fischer Kunstinsel Lenbachplatz

Die Porträts von Studenten aus Israel sind seit einigen Tagen nahe dem Ort zu sehen, an dem einmal die alte Münchner Synagoge stand.

(Foto: Roland Fischer)

Der Münchner Roland Fischer hat rund 1000 Studenten der Universität in Tel Aviv fotografiert. Zu sehen ist sein Kollektivporträt derzeit auf dem Lenbachplatz

Von Jürgen Moises

In einer Umgebung von Gebäuden, die Vergangenheit bedeuten, setzt das Generalkonsulat jetzt Gegenwart und Zukunft entgegen." Mit diesen Worten hat der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer am Dienstagnachmittag das neue israelische Konsulat in der Barerstraße Ecke Karolinenplatz gewürdigt. Inmitten des ehemaligen NSDAP-Viertels zeige der israelische Staat auf diese Weise "eine Flagge der Versöhnung". Fast mit den gleichen Worten könnte man das "Israelische Kollektivporträt" von Roland Fischer beschreiben, das ebenfalls am Dienstag unter Anwesenheit der israelischen Wirtschaftskonsulin auf der Kunst-Insel am Lenbachplatz enthüllt wurde. Tatsächlich zog auch Kulturreferent Hans-Georg Küppers bei seiner Ansprache am Lenbachplatz eine direkte Verbindungslinie. Fischers Arbeit sei ein Symbol für das heutige Israel, so Küppers, und das an einem ebenfalls historischen Ort. Denn direkt nebenan befand sich früher die alte Münchner Synagoge.

Rund 1000 Studenten der Tel Aviv Universität hat Roland Fischer für sein Kollektivporträt fotografiert. Deren Gesichter sind nun als ein fünf mal fünf Meter großes "Gesichtermeer" und als offizieller Beitrag zu "50 Jahre deutsch-israelische Beziehungen" in ein paar Metern Höhe auf der Kunst-Insel zu sehen. Auch die Namen der Studenten sind mit aufgedruckt, nur sind sie vom Boden aus schwer zu lesen. Anders ist es auf der Rückseite, wo wie in einer Art Zoom ausgesuchte Gesichter aus der Menge im Großformat herausgehoben sind. Darunter ist auch das Gesicht von Erika Linor Kutzuk, die zur Enthüllung des Kunstwerks extra mit angereist war und die, hatte man den Eindruck, erst einmal nicht glauben konnte, dass man ihr Antlitz nun riesengroß mitten in München sieht.

Kollektivporträts wie das der israelischen Studenten sind nicht neu im Schaffen Roland Fischers. Bereits in den Jahren 1998 bis 2003 hat der renommierte Münchner Fotograf ganz ähnliche Bildwerke aus den Gesichtern von chinesischen Studenten, Arbeitern und Soldaten kreiert. Der Mensch als Kollektivwesen und als Individuum: in Fischers Kollektivporträts, die in ihrer seriellen, strukturalistisch strengen Machart in der Tradition der Becher-Schule stehen, finden sich beide Sicht- und Existenzweisen vereint. Und sie lassen sich auch in der Realität nur sehr schwer trennen.

Wie eng Individuum und Gesellschaft miteinander verflochten sind: das zeigt auf andere Weise auch Roland Fischers Film "A Normal Day on Rothschild Boulevard, January 2015, Tel Aviv", der zeitgleich zum Kollektivporträt entstand und am Mittwoch im Auktionshaus Neumeister gezeigt wurde. Für diesen Film wurden Passanten auf dem Rothschild Boulevard zu ihrer Herkunft, zu Israel, zu Deutschland, zu ihren Erwartungen für die Zukunft befragt. Ihre Antworten klingen sehr offen und persönlich, und sie bilden in all ihrer Widersprüchlichkeit ebenfalls eine Art Kollektivporträt, von Tel Aviv, von Israel. Genauso wie die Fotos der Studenten, hinter deren Gesichtern sich eine ähnliche Vielfalt an Geschichten und Ansichten verbirgt.

Roland Fischer: Israelisches Kollektivporträt, Kunst-Insel am Münchner Lenbachplatz, bis Ende Dezember

© SZ vom 12.11.2015

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