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Kunst im Club:Studio Berlin

Rirkrit Tiravanija, "Morgen ist die Frage" für Studio Berlin 2020 (Entwurf)
(Foto: Rirkrit Tiravanija)

Von Kito Nedo

Die Clubkultur liegt brach. In der traditionellen Feierstadt Berlin wird die durch Corona bedingte Krise des Nachtlebens aber auch als Chance begriffen. So jedenfalls lässt sich das Ausstellungsprojekt "Studio Berlin" interpretieren, das ab dem 9. September den Berliner Berghain-Club bis zum Jahresende in eine temporäre Kunsthalle verwandeln wird. Mehr als 80 Berliner Künstlerinnen und Künstler werden in dem Gebäude - sogar auf dem Dancefloor - aktuelle Arbeiten aus den Bereichen Fotografie, Skulptur, Malerei, Video, Sound, Performance und Installation zeigen. Mit den Eintrittsgeldern soll ein Beitrag zum Fortbestehen des Berghains geleistet werden.

Hinter der Initiative stehen die Berghain-Betreiber, das Berliner Sammlerpaar Karen und Christian Boros, sowie die Kuratorin Juliet Kothe. Mit der Boros-Sammlung habe die Schau jedoch wenig zu tun, betonen die Organisatoren, alle Werke seien neu und unter den Bedingungen der Corona-Pandemie entstanden. In dieser Zeit sei das Atelier mehr denn je zum Denkraum geworden, in dem ein "intensives Studium an der Gegenwart betrieben" werde, sagt Christian Boros. In diesen Tagen wird die Liste aller teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler auf der Website www.studio.berlin veröffentlicht. Ein paar Namen sickerten im Vorfeld schon durch, darunter sind Anne Imhof, Isa Genzken, Manfred Pernice, Cyprien Gaillard, Tacita Dean, Angela Bulloch und Thea Djordjadze. Dass die Kunst den Feiertempel temporär übernimmt, ist auch äußerlich weithin sichtbar. Der Künstler Rirkrit Tiravanija lässt den Schriftzug "Morgen ist die Frage" über die gesamte Breite der Berghain-Fassade laufen. Die Ausstellung "Studio Berlin" soll beweisen, dass die Hauptstadt weiterhin ein wichtiges internationales Kunstzentrum ist.

Einen historischen Vorläufer hat die Ausstellungsinitiative in der jüngsten Berliner Kunstgeschichte: Im Winter 2005 setzte eine selbstorganisierte Ausstellung Berliner Künstler im entkernten Palast der Republik ein großes Ausrufezeichen hinter die Losung von der Künstlerstadt Berlin. Die Schau wurde ein sensationeller Erfolg. Den Palast-Abriss hat sie allerdings nicht verhindern können. Dieses Schicksal steht für das Berghain nicht zu befürchten. Dort soll wieder getanzt werden. Wie es sich für einen Club gehört.

© SZ vom 14.08.2020

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