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Museumschefin in Florenz:"Ich werde meine Arbeit machen, bis zum letzten Tag."

Welche Vorteile könnten sich, von Ihnen aus betrachtet, aus einer Zusammenlegung der Accademia mit den Uffizien ergeben?

Ich kann keine Vorteile erkennen. Es gibt hier zwei Häuser, die eine je eigene Identität besitzen, wobei die Identität der Accademia eine relativ junge Errungenschaft ist. Beide Museen sind gegenwärtig sehr erfolgreich. Vielleicht träumt man davon, in Florenz einen Museumskoloss zu schaffen, der es an Größe mit dem Louvre aufnehmen kann. Was damit zu gewinnen wäre, weiß ich nicht. Vielleicht offenbaren sich die Hintergründe an dem Tag, an dem bekannt werden wird, wer die Leitung des gesamten, nun neu entstehenden Museumsclusters übernehmen wird.

Die Rücknahme der Autonomie für die Accademia sowie für die beiden anderen Museen ist nur ein Teil der Reform der Reform, die der gegenwärtige Kulturminister Alberto Bonisoli betreibt. In anderen Teilen geht es vor allem um die Abschaffung von regionalen Zwischeninstanzen im Museumswesen.

So ist es. Man hat den Eindruck, dass der gesamte italienische Museumsbetrieb nun mit Gewalt zentralisiert und vielleicht auch politisiert werden soll. Museen aber brauchen Beständigkeit und Freiheit, auch im Denken und Forschen.

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Einige Ihrer Kollegen sehen in diesen Maßnahmen einen neuen Nationalismus wirken.

Ob das so ist, weiß ich nicht. Es werden allerdings in aller Eile Maßnahmen durchgeführt, die vermutlich damit zusammenhängen, dass diese Regierung befürchten muss, nicht mehr lange im Amt zu sein. Da will man vielleicht noch einmal alle Errungenschaften der Vorgänger zunichtemachen.

Was werden Sie jetzt tun, wie geht es weiter?

Ich werde meine Arbeit machen, bis zum letzten Tag. Und dann werde ich mir sagen, dass ich die erste und einzige nicht-italienische Frau war, die je ein staatliches italienisches Museum leitete.

Und wie reagieren Ihre Mitarbeiter? Der Freundeskreis?

Soweit ich das sagen kann, sind sie bestürzt. Es sind Urlaubszeiten, auch in Italien. Von vielen Mitarbeitern werde ich mich nicht einmal mehr verabschieden können. Der Freundeskreis wird sich auflösen, wenn die Uffizien und die Accademia vereint sein werden. Es ist ein Jammer, wenn so viele Ressourcen und Energien in Veränderungen gesteckt werden, die keinen anderen Sinn zu haben scheinen, als Veränderungen sein zu sollen.

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