Kunst: Fälscherskandal vor Gericht Gute Bekannte

In einem der größten Kunstfälscher-Skandale der Nachkriegsgeschichte ist nun Anklage gegen ein betrügerisches Quartett erhoben worden, das immer immer nur Werke anbot, die seit Jahrzehnten als verschollen galten. Der Kunsthandel ist blamiert.

Die Masche war dreist - und erst ein falsches Etikett auf einer Bildrückseite ließ den großen Schwindel auffliegen. Seit Mitte der 90er Jahre soll ein betrügerisches Quartett bis zu 50 gefälschte Bilder von berühmten Malern aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den aufgeheizten Kunstmarkt geschleust haben. Erst vor rund drei Jahren gab es den ersten Verdacht. Im Herbst 2010 kamen drei der mutmaßlichen Kunstbetrüger in U-Haft. Nach monatelangen Ermittlungen ist nun Anklage erhoben worden.

Auch das Bild "Liegender Akt mit Katze" von Max Pechstein wurde im Jahr 2003 für 500.000 Euro bei Lempertz versteigert - es gilt als Fälschung. Der millionenschwere Skandal um mutmaßlich gefälschte Bilder aus einer dubiosen Kunstsammlung zieht immer weitere Kreise und ist nun vor Gericht.

(Foto: dpa)

Max Pechstein, Max Ernst, Heinrich Campendonk, André Derain, Kees van Dongen, Fernand Léger - ihre vermeintlichen Werke wurden für mehrere Millionen Euro von renommierten Auktionshäusern und Galerien verkauft. Verdächtige Gemälde hingen in Museen in Deutschland, den Niederlanden, in Paris.

Um die Provenienz der Bilder herum hatten die mutmaßlichen Betrüger eine so einfache wie unglaubliche Legende gestrickt. Helene B., ihr Ehemann Wolfgang B. und ihre Schwester Jeanette S. gaben vor, die Werke stammten aus der Sammlung ihres 1992 gestorbenen Großvaters Werner Jägers. Der rheinische Kaufmann habe die Werke bei dem berühmten jüdischen Kunsthändler Alfred Flechtheim gekauft. Der Vierte im Bunde, Otto S. (67), erklärte, seine Werke kämen aus der Sammlung seines Großvaters, des 1957 gestorbenen Krefelder Schneidermeisters Wilhelm Knops. Die Beiden, der Industrielle und der Schneider, sollen sogar gute Bekannte gewesen sein, so die Legende.

Den Fälscherpinsel soll Wolfgang B. geführt haben, der Ermittlern schon seit Jahren bekannt ist. Helene B. und ihre Schwester lieferten die Bilder in den Auktionshäusern ab - in homöopathischen Dosen.

"Sie machten einen guten Eindruck", sagte der Inhaber des Kölner Kunsthauses Lempertz, Henrik Hanstein, in einem Interview in der Juni-Ausgabe des Kunstmagazins art. Immer mal wieder sollen auch Originale darunter gewesen sein.

Auffällig war, dass die Bande immer nur Werke anbot, die seit Jahrzehnten als verschollen galten, von denen es höchstens Abbildungen in Büchern oder Katalogen gab.

Der größte Coup gelang der Bande mit der Fälschung des Gemäldes "Rotes Bild mit Pferden" des rheinischen Expressionisten Heinrich Campendonk. 2006 wurde es für den Rekordpreis von 2,4 Millionen Euro bei Lempertz versteigert. Der Inhaber des renommierten Hauses, Henrik Hanstein, ist inzwischen mit einem Schadensersatzprozess konfrontiert.

Auf den Rückseiten der Bilder aus der "Sammlung Jägers" klebte immer das angebliche Herkunftsschild der Galerie Flechtheim. Schließlich war es der renommierte Flechtheim-Experte Ralph Jentsch, der die Aufkleber als eigentlich plumpe Fälschung enttarnte. Scharen von Sachverständigen in den Auktionshäusern und Museen waren dem Betrug zuvor auf den Leim gegangen.

14 Bilder sind inzwischen beschlagnahmt und untersucht worden. Titanweiß und Blaupigmente, die es zum Zeitpunkt der Entstehung noch gar nicht gab, verrieten den Betrug. Weitere 33 Bilder werden noch geprüft.

Seit die Affäre um die Sammlung Jägers aufflog, sind der Kunstmarkt und auch Sachverständige blamiert. Immer geschickter gehen Fälscher vor. Nachgemacht wird alles - von chinesischen Terrakotta-Figuren über Jugendstilgläser bis hin zu Picasso und Giacometti. Im Prozess um den Millionen-Betrug mit gefälschten Giacometti-Skulpturen war Anfang April ein Kunsthändler aus Mainz zu mehr als sieben Jahren Gefängnis verurteilt worden.