Kunst Darf alles

Der Musiker und Collagekünstler Hank Schmidt in der Beek treibt mit der Kunstgeschichte höheren und höchsten Unfug. Zum Beispiel lässt der "Peanuts"-Philosoph Linus suprematistische Drachen steigen.

Von Jens-Christian Rabe

Dass die Kunst alles dürfen muss, heißt ja leider überhaupt nicht, dass das im konkreten Fall auch irgendwohin führt, wo man gerne wäre. Die Idee zum Beispiel, in emblematische Werke und Fotoporträts der berühmtesten Künstler der Kunstgeschichte ein paar Cartoon-Figuren hineinzubasteln, fällt eigentlich in die Kategorie albern bis superbillig. Aber dann sieht man die große Collagen-Serie des 1978 in München geborenen und in Berlin lebenden Künstler, Dichters und Musikers Hank Schmidt in der Beek, und es geht natürlich doch. Es muss sogar sein. Dass also zum Beispiel Trick von Disneys Tick, Trick und Track über dem Kopf einer Nackten in einem Munch-Gemälde eine Kelle Suppe ausschüttet oder ein Schlumpf an einem Strich einer Matisse-Zeichnung seine Wäsche aufhängt - oder eben, wie hier auf dieser Seite in Collage Nr. 862 bei Iwan Kljun der Peanuts-Philosoph Linus van Pelt suprematistische Drachen steigen lässt. Vor ein paar Jahren fand eine erste große Ausstellung des Collagen-Werks in der Beeks im Türmchen des Münchner Karl-Valentin-Musäum statt, einen passenderen Ort kann man sich kaum vorstellen. Sein Ticktracktrick ist dabei, dass alles nicht wie trotzig-pubertären Sparwitze aussehen zu lassen, sondern wie vergnügte postpostmoderne Verbeugungen, wie höheren und höchsten Unfug, nach dem man die jeweiligen Werke nie mehr mit der geichen Andacht ansehen kann, aber dafür die Kunst an sich sofort viel besser versteht. Anders gesagt: Von Linus van Pelt stammt die große Erkenntnis, dass Charlie Brown von allen Charlie Browns der Welt der Charlie Brownste ist. Je länger man Collagen von Hank Schmidt in der Beek ansieht, umso unausweichlicher erscheint einem, dass Hank Schmidt in der Beek von allen Hank Schmidt in der Beeks der Welt natürlich der Hank Schmidt in der Beekste ist.