Klimaschutz vs. Gasnotstand:Der Ernstfall

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Klimaschutz vs. Gasnotstand: Das Düsseldorfer Schauspielhaus gehört zu den glücklichen 26, die Geld für Klimaprojekte erhalten.

Das Düsseldorfer Schauspielhaus gehört zu den glücklichen 26, die Geld für Klimaprojekte erhalten.

(Foto: Olaf Döring/IMAGO)

Die Bundeskulturstiftung fördert allerhand Klimaprojekte. Doch was ist, wenn die Kulturinstitutionen ihre Gasrechnung nicht bezahlen können?

Von Jörg Häntzschel

Der Winter wird hart, und niemand wird sagen können, er habe es nicht gewusst. Seit Wochen stimmen Politik und Energieindustrie die Bevölkerung auf exorbitante Gas- und Stromrechnungen ein. Viel tun kann man nicht dagegen, außer weniger zu heizen. Dafür wiederum, so warnen Experten, könnte man mit schimmligen Wänden und Erkältung bezahlen. So viel offiziellen Pessimismus gab es lange nicht.

Es ist zunächst also sehr erfreulich zu hören, dass die Kulturstiftung des Bundes nun 26 klimaneutrale Kunst- und Kulturprojekte mit mehr als drei Millionen Euro fördert. Dabei sollen "Spielräume bei Klimatisierung und Heizung", "alternative Formen der Energieproduktion", "umweteltfreundliche Mobilitätskonzepte für künstlerische Teams und organische Baustoffe für Bühnenbilder und Ausstellungsarchitekturen erprobt" werden. Das Geld geht an Institutionen aller Sparten, darunter das Deutsche Nationaltheater und die Staatskapelle Weimar, das Düsseldorfer Schauspielhaus, die Berliner Schaubühne, das Tanztheater Wuppertal und das Museum Ludwig in Köln.

Das in der Antrags- und Förderungsprosa des Kulturbetriebs beliebte Wort "erproben" fällt in der Pressemeldung noch ein weiteres Mal. "Erprobt" werden sollen nämlich mit den drei Millionen Euro auch "Ästhetiken einer ökologischen Nachhaltigkeit". Und spätestens hier beginnt man stutzig zu werden. Ist es angesichts des bevorstehenden Ernstfalls nicht ein bisschen spät für "Proben"? Und sollte das Geld nicht lieber dafür ausgegeben werden, die Häuser offen zu halten?

Durch Klimaschwankungen könnte Kulturgut in den Museumsdepots Schaden nehmen

Schließlich haben erst erst vor zwei Wochen die deutschen Kulturminister ein aufrüttelndes Papier verabschiedet, in dem sie vor der kommenden Gasnotlage warnen. Wie schon in der Corona-Zeit könnten Museen und andere Kulturinstitutionen im Winter gezwungen sein zu schließen, weil ihr Budget keine Spielräume lässt für steigende Heizkosten. Noch dramatischer sähe es aus, wenn der schlimmste Fall einträte und das Gas in Deutschland rationiert werden würde. Dann könnten Kulturinstitutionen zu den ersten Einrichtungen gehören, denen kein Gas mehr geliefert wird. Durch die dann entstehenden Klimaschwankungen könnte empfindliches Kulturgut in den Museumsdepots Schaden nehmen, warnen sie.

Die meisten deutschen Museen sind für diesen Fall kaum vorbereitet. Vielleicht wären die Fördergelder der Bundeskulturstiftung hier erst mal besser angelegt. Jedenfalls bis zum Frühling.

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