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Kulturpolitik:Logisch

Premiere von "Faust" im Residenztheater in München, 2014

Intendant mit Gretchen (Andrea Wenzl, li.) und Teufel (Bibiana Beglau als Mephisto) bei der Premiere von Kušejs "Faust"-Inszenierung.

(Foto: Robert Haas)

Martin Kušejs Vertrag als Intendant des Residenztheaters wird bis 2021 verlängert

Von Egbert Tholl

Also mal ehrlich: Etwas anderes hatte kaum jemand erwartet. Überraschend ist vielleicht nur die Länge: fünf Jahre. Fünf Jahre länger wird Martin Kušej Intendant des Residenztheater bleiben. Sein laufender Vertrag endet 2016; der neue beginnt dann und läuft über fünf Jahre. Bekannt wurde dies im Anschluss an die Ministerratssitzung am Dienstag, bei welcher die Verlängerung beschlossen wurde. Man könnte auch sagen: Kunstminister Ludwig Spaenle wollte nicht lange mit der positiven Meldung hinterm Berg halten, da war es ihm anscheinend auch wurscht, dass Kušej ohnehin für diesen Mittwoch eine Pressekonferenz angekündigt hat, bei welcher der Spielplan der kommenden Saison vorgestellt wird. Die wird nun halt eine ganz normale Zusammenkunft haben, die Sensation, die keine ist, ist ja schon bekannt.

Warum ist es keine Überraschung? Eine Erklärung dazu gibt Kušej selbst: "Ich bin hier auf keinen Fall fertig! Deshalb ist mir die Entscheidung, weiter in München zu arbeiten, sehr leicht gefallen. Das Residenztheater hat wieder seinen festen Platz in der ersten Riege deutscher Schauspielhäuser - diesen Erfolg will ich mit dem herausragenden Ensemble und den engagierten Mitarbeitern festigen und fortsetzen. Ich möchte weiter verändern und Neues entwickeln. Dafür kann ich mir kaum idealere Bedingungen vorstellen als hier in München."

Stimmt ja auch. Weshalb sollte sich Kušej in der jetzigen Situation ans Burgtheater begeben, um dort nach schwarzen, grauen oder nichtexistenten Kassen zu forschen? Mit dem Wiener Haus war er immer wieder in Verbindung gebracht worden; aber das läuft ihm nicht weg, falls er dorthin doch noch irgendwann einmal möchte, das steht nach lange am Ring. Und, nebenbei, bis 2019 ist dort ja ohnehin erst einmal Karin Bergmann installiert. Kušejs Vertrag läuft nun zwei Jahre länger.

Daneben hat Kušej immer gesagt, im deutschsprachigen Raum könne man am besten Theater machen in dem alpenländisch-süddeutschen Gürtel, der sich von Basel bis Wien zieht. was die norddeutschen Renommee-Häuser ausschließt. Zudem sind die kargen Jahre ja vorbei. Wie bei Intendantenwechseln üblich, waren die ersten zwei Jahre seiner Resi-Intendanz ein bisserl mühsam, was an ein paar künstlerisch unglücklichen Entscheidungen und natürlich am Erbe von 100 Jahren Dieter Dorn lag. Doch inzwischen läuft der Laden, und sein Chef kann sich offenbar immer besser mir dem Gedanken anfreunden, ein Intendant zu sein und nicht nur ein Regisseur - was dies bedeutet, musste er ja letztlich auch erst einmal lernen.

Dazu kommt noch etwas: Ein Kerl wie Kušej verliert nicht. Wer eine Intendanz nicht verlängert und keine sehr persönlichen Gründe wie Johan Simons an der Kammerspielen vorschieben oder ein ganz grandioses Folgeengagement vorweisen kann, der gilt mehr oder weniger als gescheitert. Und scheitern, das tut ein Kušej nicht. Jetzt schon gar nicht, wenn unter Matthias Lilienthal an den Kammerspielen lustige Performance-Gruppen das normale Theaterpublikum ihm in die Arme treiben werden.

© SZ vom 29.04.2015

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