Kulturmanagement Von Hamburg nach Nantesbuch

Börries von Notz, erfolgreicher Museumsmacher, hat viele Pläne für die Stiftung Nantesbuch.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Börries von Notz ist neuer Direktor der Stiftung von Susanne Klatten

Von Sabine Reithmaier, Bad Heilbrunn

Börries von Notz weiß genau, was er in Nantesbuch nicht will: ein großes Freilichtmuseum. Doch ansonsten hat der 45 Jahre alte Jurist keine fertigen Lösungen parat für die gleichnamige, von der Unternehmerin Susanne Klatten gegründete Stiftung in der Nähe von Bad Heilbrunn. "So genau wissen wir das noch nicht", sagt er auf die Frage nach konkreten Zielen der Stiftung, die sich mit Kunst, Kultur und Natur auseinandersetzt. Es gehöre zur Herausforderung seiner neuen Aufgabe, Unsicherheiten zu ertragen. "Wir bewegen Ideen, verwerfen vieles, das ist Teil der Geduld, die man haben muss.

Derzeit arbeitet Börries von Notz noch in Hamburg, wo er seit fünf Jahren Alleinvorstand der Stiftung Historische Museen Hamburg ist. Zuvor hatte er sechs Jahre als geschäftsführender Direktor das Jüdische Museum Berlin gemanagt. Nun hat ihn Susanne Klatten als Sprecher der dreiköpfigen Geschäftsführung nach Nantesbuch geholt. Seit März ist er zwei Wochen pro Monat vor Ort, von Juni an wird er ganz da sein, die Familie kommt mit.

Er weiß, dass es nicht ganz leicht nachzuvollziehen ist, warum er seinen Hamburger Posten - und damit eine Zuständigkeit für Museen an neun Standorten einschließlich des neuen Hafenmuseums - für einen Job in der Provinz aufgibt. Der garantiert ihm zwar einen Arbeitsplatz in einer großartigen Landschaft, aber was sonst noch? "Was ich persönlich reizvoll finde, ist Dinge zu entwickeln, Strukturen zu erarbeiten und inhaltliche Ausrichtungen zu finden, die in ein Gesamt-Setting passen", sagt Notz. Das habe er in Hamburg gemacht. Dort laufe jetzt die Umsetzungsphase, für die in erster Linie die jeweiligen Museumsdirektoren zuständig seien. Eine gute Zeit für ihn also, sich neuen Herausforderungen zu stellen, zumal die Situation in Nantesbuch für ihn "ein unschlagbares, in Deutschland einmaliges Potenzial" besitzt. Was bisher hier passiert sei, nennt er einen Anfang, wenn auch einen starken.

Seit 2017 finden im Langen Haus auf dem Gelände des alten Guts Karpfsee Veranstaltungen statt. Die wirkungsmächtige Architektur mit ihrer warmen Strenge biete Raum für kleinere, konzentrierte Veranstaltungen und Symposien, findet Notz. Noch brach aber liegt auf dem benachbarten Hügel das ehemalige Gut Nantesbuch mit acht Hektar Baufläche. Dort soll in den nächsten Jahren "eine Art Kultur-Campus" entstehen, "der ein bisschen die Welt nach Nantesbuch holt und Nantesbuch in die Welt hinaus bringt". Und sowohl Räume für Ausstellungen und theatralische Aktionen bietet als auch Ausgangspunkt für Naturerkundungen sein soll. Was Kunst betrifft, schöpft Notz aus dem Vollen, denn er ist auch für das Sinclair-Haus in Bad Homburg zuständig, ein Museum für zeitgenössische Kunst, ursprünglich getragen von Klattens Altana-Kulturstiftung, die nun in die Stiftung Nantesbuch integriert ist.

Wie der Campus konkret gestaltet wird - eine Ausstellungshalle oder mehrere kleinere Pavillons - "da spielen wir gerade mit den Möglichkeiten." Jedenfalls sollen die Gebäude nicht wie gerade "vom Himmel gefallene Ufos" wirken, sondern die Geschichte des Ortes und die Landschaft berücksichtigen. Gedanken machen sich Börries von Notz und sein Team aber auch um Mobilitätskonzepte und darüber, wie viele Besucher das Gelände verträgt.

Notz kann sich vorstellen, künftig inhaltlich stärker auf einzelne Themen zu fokussieren, denen dann zwölf bis 18 Monate die gesamte Aufmerksamkeit gilt, sei es in Ausstellungen, Symposien, Theateraufführungen, Lesungen oder Landschaftserkundungen. "Wir könnten uns am Begriff Wahrhaftigkeit abarbeiten", nennt er ein Beispiel. Oder an Authentizität: Wo tritt sie auf, wann nehmen wir sie wahr, ob in der Kunst oder in der Natur. "Ist der Lindenbaum in einer kleinen Dorfgemeinschaft authentisch, auch wenn er erst 30 Jahre alt ist? Wäre es, wenn er in Hamburg-Altona am Spritzenplatz steht?"

Der kreative Prozess wird dauern. Fünf bis zehn Jahre, schätzt Notz und lobt Geduld und Langmut der Stifterin, der es um Nachhaltigkeit geht, nicht um schnelle Massenerfolge. Sie ermögliche es der Stiftung, ihre Standpunkte langsam und dem Ort angemessen zu entwickeln. "Auch das eine einmalige Situation."

Wer den neuen Direktor und das Lange Haus kennenlernen möchte, hat an diesem Samstag die Gelegenheit. Denn die Stiftung startet mit einem Frühjahrsfest für die ganze Familie in die neue Saison. Weil die Parkmöglichkeiten begrenzt sind, gibt es ein kostenfreies Shuttle für die Anfahrt ohne Auto von und nach Wolfratshausen, Geretsried, Königsdorf, Reindlschmiede und Penzberg. Damit die Natur nicht allzu sehr gestört wird.

Frühjahrsfest in Nantesbuch, Samstag, 23. März, Infos unter www.stiftung-nantesbuch.de