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Kulturausflug:Chamisso in Kunersdorf

Camisso-Museum Kunersdorf
(Foto: Prust)

Wer durchs sonnige Oderbruch radelt, kommt selten durch Wald, wirft also einen Schatten. Wie kostbar so ein Schatten ist, erfährt, wer sich ein Hörbuch von Adelbert von Chamissos "Peter Schlemihl" aufs Telefon geladen hat, um nach Kunersdorf zu kommen. Schlemihl hat seinen Schatten an den Teufel verkauft, für endlosen Reichtum, und immer noch bewährt seine Geschichte ihre alte Gruselkraft. Der schattenlose Mensch wird zum teils bemitleideten, teils gehassten Außenseiter.

Warum Kunersdorf? Nein, das ist nicht der Ort der verheerenden Schlacht, die Friedrich dem Großen fast den Untergang bereitet hätte - die fand östlich der Oder statt, der Ort heißt heute Kunowice. In Brandenburg gibt es viele Ortsnamen zwei- oder dreimal (Siedlungsgeschichte! Binnenmigration!). In Kunersdorf bei Wriezen im Bruch, einst vornehm mit C geschrieben, in Cunersdorf also, wurde die Geschichte vom Schlemihl während eines Sommer- und Herbstaufenthalts im Jahr 1813 niedergeschrieben. Das ist nun selbst eine literarische Geschichte, die man bei den märkischen Wanderern Theodor Fontane oder Günter de Bruyn nachlesen kann. Sie handelt von der Flucht des französischen Emigranten Chamisso vor den Befreiungskriegen gegen Napoleon aufs Land: Als Franzose hätte er erschossen werden können, es gab einen Schießbefehl. Die in Kunersdorf ansässige Adelsfamilie von Itzenplitz, deren Frauen landwirtschaftlich und intellektuell hochinteressiert waren, bot dem längst eingedeutschten Dichter und Botaniker einen Unterschlupf für "die Zeit der schweren Not", wie er es nannte. Und so fand er die Muße, den "Schlemihl" zu schreiben, für die Kinder seiner Freunde und für die Unsterblichkeit.

Das Schloss und seine Bibliothek wurden 1945 zerstört, aber eine Dependance aus den Zwanzigerjahren steht noch, und dort befindet sich seit ein paar Wochen ein entzückendes Chamisso-Museum. Es erzählt die Biografie des unglaublich sympathischen, weltreisenden Dichters und zugleich die Geschichte des Orts. Geleitet und bewohnt wird es von Margot Prust, die es ohne einen Cent öffentlicher Mittel mit einem Förderkreis auf die Beine stellte. Man bringe Zeit mit, für ein Gespräch mit Frau Prust und fürs Spurenlesen auf dem Friedhof.