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Kultur in Russland:Mächtiger als der Tod

Ein Mann liebt einen Mann, ein Mann tanzt mit einem Mann. Da ist nichts dabei? Nun, das sehen in Russland viele anders. Deshalb ist dieser Pas de Deux von Rudolf Nurejew (Wladislav Lantratow, vorn) mit seiner großen Liebe Erik Bruhn (Denis Savin) etwas Besonderes.

(Foto: Mikhail Logvinov/Bolshoi Theatre)

Bei der verspäteten Premiere von "Nureyev" am Bolschoi-Theater in Moskau fehlt der Regisseur Kirill Serebrennikow. Er sitzt in Hausarrest. Die Inszenierung wird trotzdem gefeiert.

Von Sonja Zekri

Also doch kein Skandal. Niemand ist am Samstag im Moskauer Bolschoi-Theater in Ohnmacht gefallen, niemand hat Glasscherben auf die Bühne geworfen, wie einst Kommunisten in Paris, die Rudolf Nurejew die Flucht aus der Sowjetunion nicht verziehen. Wohlwollend verfolgte das Publikum das Ballett aus glatzköpfigen französischen Transen in Stilettos und Schlitzkleidern, applaudierte dem Pas de Deux Nurejews mit seiner großen Liebe, dem dänischen Tänzer Erik Bruhn. Beifall begleitete die Auftritte halb nackter junger Männer, mal in trashiger Camp-, mal in Village-People-Optik mit Lederkappe und Fingerhandschuhen. Sogar das Fotoshooting mit Richard Avedon, in dem der nackte Nurejew erst mit Avedons Kamera und dann mit der ganzen High Society kokettiert, löste nicht den Hauch eines Buhs aus. In seiner ganzen 150-jährigen Geschichte hat das Bolschoi-Theater männliche Nacktheit und Homosexualität wahrscheinlich noch nie so offen gezeigt.

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