Kultur in Frankreich:Untypisch flexibel

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Nach Vorwürfen von Künstlern legt Macron einen Plan für die Kultur vor. In einem Punkt sind die Kulturschaffenden zufrieden.

Von Joseph Hanimann

Die Erwartungen der französischen Kulturszene an Emmanuel Macrons Ankündigungen stiegen von Tag zu Tag. Seit Wochen harrten Künstler, Intendanten, Museumsdirektoren und Filmproduzenten im Ungewissen. Prominente wie Catherine Deneuve, Isabelle Adjani, Marie Darrieussecq wandten sich in einem Aufruf direkt an den Staatspräsidenten mit der Klage, der Regierungschef nenne die Kultur mit keinem Wort und der Kulturminister habe seit sechs Wochen nichts Nennenswertes gesagt.

Nach einem zweistündigen Treffen per Internet mit Vertretern aus der Kultur gab Macron erste Angaben zu seinem Plan bekannt. Die wichtigste Maßnahme betrifft die Sozialversicherung der "Intermittents", jene gut 110 000 nicht fest angestellten, von Produktion zu Produktion neu engagierten Schauspieler, Musiker, Bühnentechniker, die am unmittelbarsten gefährdet sind. Ihr Anrecht auf Arbeitslosengeld hängt von der Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden ab. Seit bald zwei Monaten stehen diese auf null. Bis Ende August 2021, so Macron, wird die Zählung der geleisteten Arbeitsstunden ausgesetzt. Die Leistungen bleiben bis dann also erhalten. Genau das hatten die Künstler gefordert. Insofern sind sie zufrieden.

Im Übrigen wird die allmähliche Rückkehr zum Kulturbetrieb in Frankreich ähnlich wie anderswo erfolgen. Kulturminister Franck Riester erklärte, dass Museen ab der kommenden Woche schrittweise wieder aufmachen dürfen, mit den gebotenen Sicherheitsmaßnahmen. Schauspiel- und Musikveranstaltungen mit maximal 500 Zuschauern und Sicherheitsabständen werden wieder erlaubt sein. Ähnliches gilt für Kinos. Insgesamt legt die Regierung entgegen französischem Gebrauch Wert auf flexible Lösungen von Fall zu Fall. Intendanten und Veranstalter hoffen angesichts der finanziellen Einbußen auf Staatshilfe. Macron wiederum griff diesen Erwartungen vor mit dem Hinweis, er erwarte viel von ihrem Einfallsreichtum im Hinblick auf originelle Veranstaltungsformen und neue Zugänge zum Publikum.

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