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Kultur für Kinder:Wandern, spielen, basteln

Viele Kinder wissen nicht mehr, wer Loriot war. Vor der Villa von Vicco von Bülow demonstrieren das zwei "Herren im Bad" und eine Plastikente.

(Foto: Zacher/Partsch)

"Komm mit um den Starnberger See", ein reich illustrierter, kindgerechter Reiseführer

Wie viele Orte gibt es wohl, die nach einem Opernsänger benannt sind? Nicht viele, meinen die Münchner Kunsthistorikerin Susanna Partsch und die Gautinger Künstlerin Rosemarie Zacher, Autorinnen des Mitmach-Reiseführers "Komm mit um den Starnberger See". Darin erzählen sie, wie der Ort Leoni, vormals Assenbuch, zu seinem Namen kam. Da gab es nämlich den Opernsänger Giuseppe Leoni, der nach Assenbuch kam, wo er nicht nur sang, sondern auch kochte, "und er kochte vor allem sehr gut, so dass die Leute, die gut essen wollten, nicht gesagt haben: ,Gemma nach Assenbuch', sondern: ,Gemma zum Leoni'".

Aus Assenbuch wurde also Leoni; und auch ein Schiff wurde so getauft, so dass der Satz des Karl Valentin gar nicht so abwegig ist, wie er klingt: "Am linken Ufer des Sees liegt eine Leoni, kurz genannt Leoni." Aber doppeldeutig, beziehungsweise missverständlich ist er schon, denn die Lyoner Wurst nennt der Bayer Leoni. Zacher hat das wunderbar illustriert: Ein Opernsänger mit wehendem Haar und um den Hals geschlungenem Schal steht singend auf einem Schiff und hält einen Wurstring in der Hand.

Dies ist nur eine der vielen gut recherchierten und kindgerecht aufbereiteten Anekdoten in dem Erlebnisreiseführer des Duos, das schon bei mehreren Kinder-Kunstbüchern erfolgreich zusammenwirkte, etwa beim "Traum vom Fliegen" zu Leonardo da Vincis berühmten Flugmodellen, 2009 nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis und als "Bestes Wissenschaftsbuch des Jahres" (Österreich), oder bei dem Buch "Münchens Schlösser für Kinder". Der im Juni im Volk Verlag erschienene Mitmach-Reiseführer ist die neu gestaltete Version eines vor zehn Jahren im Berger Genz-Verlag herausgegebenen Buches, mit aktualisierten Texten und komplett neuer Bebilderung. Dazu gehören auch die historischen Postkartenansichten von Starnberg, die jetzt erstmals veröffentlicht werden durften.

Mit seinen Illustrationen, Fotos und Geschichten zu Sehenswürdigkeiten und Persönlichkeiten wie Biene Maja, Kasperl Larifari, Prinzessin Sisi und König Ludwig sowie Hans Christian Andersen, der bei einer Bootsfahrt das Märchen vom hässlichen Entlein erfunden haben soll, liefert der Band nicht nur Ideen für Ausflüge zum und um den Starnberger See, sondern vermittelt auf seinen "Regenwetterseiten" auch fantasievolle Bastelanleitungen. Fotos demonstrieren, was alles unterwegs gesammelt und später gebaut werden kann: eine Unterwasserlupe, ein Safttütenboot oder ein Klappkartenschiff, eine "Fundstückkette" oder eine Galionsfigur fürs Fahrrad.

Bei allen erzählenden Texten galt als Auswahlkriterium, was Kinder besonders faszinieren könnte. Eine Perspektive, die den Autorinnen noch gut von ihren eigenen Kindern her vertraut ist, auch wenn diese inzwischen Teenager oder längst erwachsen sind. "Natürlich gibt es rund um den See auch diese tollen Villen, da haben wir aber entschieden, die nehmen wir nicht mit rein - das beeindruckt eher Erwachsene als Kinder", erklärt Partsch. Stattdessen finden sich Einblicke wie beispielsweise in den noch erhaltenen Pferdestall aus den Jugendjahren der Kaiserin Elisabeth neben dem heutigen Hotel "Kaiserin Elisabeth".

Eine Villa hat dann doch noch Einzug in das Buch gehalten. Ihr Besitzer, Vicco von Bülow alias Loriot, lebte von 1963 an in Ammerland, unter anderem zusammen mit seinen beiden Möpsen. Zwar liegt sein Grab in Berlin, dennoch erinnern zwei überdimensionierte frei stehende Loriot-Figuren auf einem gut einsehbaren Privatgrundstück an der Seepromenade an ihn - oder besser frei sitzende Figuren, denn die Herren befinden sich mit einer kleinen Ente in einer Badewanne . "Wir haben aus diesen tollen Figuren eine Suchaufgabe für die Kinder gemacht", sagt Partsch, die auch in diesem Fall erfolgreich darum bat, die Objekte für ihr Buch fotografieren zu dürfen.

Ein noch lebender Künstler hingegen ist der Bildhauer Ernst Grünwald, den die Autorinnen in seinem Atelier in Ammerland besuchten und ablichteten. Er hat einen Kasperl "Larifari" in Gips gegossen, den wiederum Jahrzehnte zuvor Graf Pocci für Papa Schmid und dessen Marionettentheater in München erfunden hatte. Auch das Schloss von Graf Pocci steht in Ammerland, direkt am See. Die thematisch passende Regenwetterseite vermittelt den Kindern Vorschläge, wie sie ihren eigenen Larifari bauen können.

"Das ist unser Konzept: Susanna kann wunderbar historische Zusammenhänge in ihrem Medium, der Sprache, verständlich machen. Und ich zeige den Kindern, wie man das, was man historisch vorfindet, in meinem Medium begreifen kann - mit den Händen, durch eigenes Tun", erklärt Zacher. Dabei sind die beiden Freundinnen einander die strengsten Kritikerinnen. "Das versteht man nicht", hält im Falle eines Falles die eine der anderen vor, egal ob es um Bastel-Anleitungen oder die Beschreibung historischer Hintergründe geht. "Also schreiben wir das so lange um, bis es die jeweils andere versteht", sagt Zacher.

Susanna Partsch und Rosemarie Zacher "Komm mit um den Starnberger See - Ein Mitmach-Reiseführer", Volk Verlag, 224 Seiten, 14,90 Euro