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Kultur-Boom:So viel Schöngeist war nie

Kultur schlägt Rasen: Die meisten Menschen bevorzugen Museum, Kino und Theater vor dem Besuch eines Bundesliga-Fußballspiels. Die Kunst, der Sport und die Massen in Zahlen.

Der Museumsgang, der Theater- oder Kinobesuch sind etwas für Schöngeister? Mag sein, aber dann wächst die Zahl der Schöngeister stetig. 113 Millionen Menschen begaben sich 2007 in ein Museum oder Ausstellungshaus, wie der Deutsche Museumsbund jetzt mitteilte.

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Sinnsuche in Krisenzeiten? Die Zahl der Museumsbesucher steigt weiter. Das Foto zeigt die frisch eröffnete Ausstellung "Medium Religion". Installation: Alexander Kosolapov.

(Foto: Foto: dpa)

Dies sind 4,5 Prozent mehr als im Vorjahr - und das Vielfache von den Besucherzahlen der Fußballstadien: Gerade einmal 17,43 Millionen Zuschauer kauften in der Saison 2007/2008 ein Ticket für ein Spiel der ersten oder zweiten Bundesliga; im Vorjahr waren es noch weniger. 30,9 Millionen Besucher, Tendenz steigend, verbuchten dagegen die Bühnenkünste in der Spielzeit 2006/2007, also die deutschen Theater, Orchester und Festspielveranstalter. Davon strömten fast acht Millionen Zuschauer in die Theater, rund 5,8 Millionen besuchten eine Oper- oder Ballettaufführung, der Rest verteilt sich auf Konzerte, Operetten und Musicals. An den deutschen Kinokassen wurden 2007 124 Millionen Karten gelöst.

Der Run auf Kulturinstitutionen ist ein internationales Phänomen: In den USA besuchen jährlich 850 Millionen Menschen die Museen, während die großen Baseball-, Basketball-, Football- und Eishockey-Spiele des Landes zusammen nur auf 140 Millionen Gäste kommen. 1,42 Milliarden Tickets verkauften dagegen im Jahr 2007 die nordamerikanischen Kinobetreiber. Und in Großbritannien, dem Land mit der höchsten Museumsdichte der Welt, gingen 42 Millionen Menschen im Jahr 2006 ins Museum, während in der Saison 2004/2005 nur 33 Millionen Besucher ein englisches Stadion von innen sahen.