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Künstlerprotokolle:Wie politisch ist die Documenta in Athen?

(Foto: Stathis Mamalakis/Trevor Good/Angelos Spyro)

Auf der 14. Weltkunstschau sind indigoblaue Lämmer und Oliven für Kanzlerin Merkel zu sehen. Vier Künstler erzählen, warum.

Die 14. Documenta ist durch und durch politisch. Und in einem Jahr wie diesem gibt es viele Aspekte, die die Künstler aufgreifen können: Trump, der Krieg in Syrien, die Flüchtlingsproblematik. Fünf von ihnen erläutern, was sie antreibt, ob ihre Werke tatsächlich ausnahmslos politische Botschaften transportieren und was sie sich von der Documenta in Athen versprechen.

"Am Eröffnungstag der Documenta habe ich in meiner Aktion "Payment of Greek Debt to Germany with Olives and Art" die Milliarden von Schulden symbolisch zurückgezahlt, die Griechenland so belasten. Die sind jetzt vom Tisch. Es war an der Zeit, dass Athen frei gesprochen wurde davon. Die Menschen müssen wieder verstehen, dass Athen ein besonderer Ort ist. Wir alle sind Griechen - das ist der Ort, an dem Zivilisation entstand. Aber ich bin kein Heiler, ich mache keine Vorschläge - ich habe meine Ideen, die ich in den Raum werfe. So wie man einen Stein auf die Straße wirft. Während der Pressekonferenz saßen wir Künstler und Kuratoren alle gemeinsam auf der Bühne, es war eine Stimmung wie bei einer Demonstration. Und ein paar sagten, dass wir hier auftreten wie Aktivisten. Aber ich habe ihnen geantwortet: Nein. Wir sind keine Aktivisten - wir sind Artivisten. Kunst und Aktivismus in einem Wort? Artivismus - das ist der Begriff für die Künstler dieser Documenta.

Marta Minujín mit dem Double der Kanzlerin, dem sie symbolisch die Oliven überreichte.

(Foto: Angelos Spyro)

In Kassel werde ich ja einen "Parthenon of Books", den Tempel der Akropolis in Originalgröße aus verbotenen Büchern aufschichten. Ich weiß, was es bedeutet, wenn Bücher verboten sind, ich musste selbst so viele Bücher wegwerfen, Bücher von Herbert Marcuse, Jean Paul Sartre, Karl Marx Chomsky. Ich musste alle verbrennen, die Junta in Argentinien hätte mich für den Besitz solcher Werke eingesperrt, ich wäre womöglich verschwunden. Auch Kunst war verboten. Weil wir Künstler Philosophen der Zukunft sind. Künstler sind der Politik immer voraus. Ich lebe ja für nichts anderes als für meine Kreationen und Ideen und meine Kunst hat nichts mit Messen und Sammlern und all diesem Betrieb zu tun. Das alles hat nichts mit Kunst zu tun. Bei Kunst geht es immer nur um Vernunft, um Frieden und Ideen und Freiheit."

Marta Minujín, Konzeptkünstlerin aus Argentinien